Landwirte beklagen immer mehr Hundekot auf Feldern
Haufenweise Ärger

"Hundekot macht unsere Tiere tot": Mit - zugespitzten - Formulierungen wie diesen wollen Landwirte Hundehalter aufmerksam machen, dass Hinterlassenschaften von Vierbeinern nichts auf Nutzflächen der Bauern zu suchen haben. Im Bild von links: Andreas Kiener und Helmut Konrad von Fachzentrum Almesbach, BBV-Geschäftsführer Hans Winter, Amtstierärztin Dr. Barbara Bäumler und Johannes Zierock von der Stadt. Bilder: Schönberger (2)
 
Zwei neue Beutelspender gibt es seit Kurzem in Weiden.

Es könnte so schön werden: Auf den Feldern sprießt es wieder. Und auch das Gassigehen macht im Frühling mehr Spaß. Allerdings beginnt hier das Problem: Während manche Hundehalter ihre Tiere auf Feldern Häufchen machen lassen, ist das den Landwirten alles andere als wurst.

Der Mann wirkte vernünftig. Er war mit seinem Hund bei einem der Felder unterwegs, die zum Lehr-, Versuchs- und Fachzentrum für Milchviehhaltung Almesbach gehören, als Andreas Kiener ihn ansprach. Kiener ist Betriebsleiter in Almesbach. Er erklärte dem Gassigeher, dass Hundekot in den Feldern nichts verloren hat. Kein Problem, erwiderte der Mann, sein Vierbeiner mache hier eh nicht hin. Zwei Tage später zeigten Kieners Lehrlinge ihm ein Foto. Darauf: der Mann neben dem Hund, der sein Geschäft im Feld erledigt.

Kein Pranger


Hundekot auf landwirtschaftlichen Nutzflächen ist ein Problem, das sich offenbar häuft. Nicht nur wortwörtlich. Erhebungen dazu gibt es natürlich keine. Aber die Beobachtungen seien doch eindeutig, sagt Almesbach-Chef Helmut Konrad. Vor allem auf Feldern am Stadtrand fänden sich mehr und mehr Plastikbeutel mit entsprechendem Inhalt - oder gleich blanke Hinterlassenschaften. Zusammen mit Hans Winter vom Bauernverband und Vertretern der Stadt hat er deshalb zu einem Pressegespräch geladen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Hundehalter an den Pranger zu stellen. Zumal sich ja sehr viele auch verantwortungsvoll verhalten. Aber: "Wir wollen ein Bewusstsein schaffen." Denn aus Sicht der Bauern handelt es sich nicht nur um eine hinterlässliche Sünde.

Recht offensichtlich ist der Missstand, wenn die Haufen auf Feldern landen, auf denen etwa Salat oder andere Nahrungsmittel für Menschen wachsen. Es gibt jedoch noch andere Auswirkungen: Gelangt Hundekot ins Futter von Kühen, aber auch Schafen und Ziegen, kann das im Extremfall zu Aborten oder Missbildungen bei neugeborenen Tieren führen, erklärt Amtstierärztin Dr. Barbara Bäumler.

Im Sinn der Verbraucher


Das droht, wenn der durch den Parasiten Neospora caninum verunreinigt ist. Allerdings, schränkt Bäumler ein, seien Stadthunde "in der Regel nicht" betroffen, eher Hofhunde. Aber auch unabhängig von Parasiten sei es einfach unhygienisch, wenn Kühe, die in der Natur derart verschmutzte Pflanzen meiden würden, de facto gezwungen werden, Kot zu fressen. Kühe, deren Milch und Fleisch später beim Verbraucher landen. Überhaupt könne eine kleine Ursache große Wirkung haben. Zwei, drei Haufen reichten mitunter schon aus: Durch die Bearbeitung mit Maschinen könne dann das Futter eines ganzen Feldes kontaminiert werden.

Nur: Wenn Landwirte Gülle ausbringen, ist das nicht dasselbe in Braun? Nein, erklärt Kiener. Geodelt werde, wenn der Bewuchs noch kurz sei. Außerdem enthält Gülle zu rund 95 Prozent Wasser und werde kurz vor Regen ausgebracht, womit sie rasch in den Boden gewaschen werde. Überhaupt gebe es einen Unterschied zwischen den Fäkalien von Pflanzen- und Fleischfressern. "Die Kuh stellt für sich selber keine Infektionsgefahr dar."

Rechtslage eindeutig


Bei alledem wissen die Landwirte auch das Naturschutzrecht auf ihrer Seite, wie Konrad betont. Es untersagt, landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Zeit zwischen Saat/Bestellung und Ernte außerhalb von Wegen zu betreten. Verunreinigungen durch deren Hundekot können zudem Ordnungswidrigkeiten darstellen. Man setze trotzdem eher auf Einsicht und Hilfe statt Sanktionen, sagt Kiener. So gebe es seit Kurzem einen Kotbeutel-Spender samt Abfalleimer neben den Feldern bei Almesbach. Außerdem weisen Schilder Hundehalter auf die Problematik hin. Offen ist freilich, welche Wirkung das hat. Als Kiener vergangenes Jahr aus dem Urlaub zurückkam und bei den Feldern nachsah, fand er am Boden unter einem der Schilder einen Haufen gefüllter Plastikbeutel.

Hundekot im Stadtgebiet: Neue Spender, alte ProblemeWeiden. (fku) Hundekotbeutelspender ist nicht nur ein wunderbares Wort. Die Behältnisse mit Plastiktüten sind auch gefragt. Rund 300 000 Beutel werden jährlich in Weiden aus den Spendern gezogen. Das berichtet Johannes Zierock, Leiter des Sachgebiets Straßenreinigung und Abfallwirtschaft bei der Stadt. Insgesamt gibt es sie an 54 Stationen. Die beiden jüngsten stellte die Stadt, verbunden mit Abfalleimern, bei Almesbach und in der Straße Zur Hammerau auf.

Dort, am Hammerweg, hatte es unschöne Auswüchse gegeben: blanke Haufen oder gefüllte Kotbeutel, die Halter einfach in ein nahe gelegenes Regenrückhaltebecken geworfen hatten. Laut Zierock steht dahinter ein grundsätzliches Problem. In der Stadt "ist das Thema allgegenwärtig". So viele Halter die Hundehaufen auch korrekt entsorgen mögen - manche seien eben uneinsichtig.

Zumal sie auch kaum Konsequenzen fürchten müssen. Zwar droht ein Bußgeld von - theoretisch - bis zu 1000 Euro. Allerdings müssen nach Auskunft von Stadtsprecher Norbert Schmieglitz solche Delikte erst einmal zur Anzeige gebracht werden. Und dies ist der Bußgeldstelle zufolge schon lange nicht mehr der Fall gewesen. Voraussetzung für ein Bußgeld sei zudem, dass man den Übeltäter in flagranti erwischt. Das sei eher unwahrscheinlich. Pro Jahr werde maximal ein solcher Tatbestand gemeldet.

Unterdessen steigt im Stadtgebiet die Zahl der Hunde. Waren der Kämmerei Ende 2011 noch 1504 Tiere gemeldet, sind es - Stand 1. März - nun 1732. Deren Besitzer zahlen auch Hundesteuer. Das will aber längst nicht jeder. Die tatsächlich Zahl dürfte deshalb deutlich höher sein. So legen Erfahrungen aus der Arbeit von Amtstierärztin Dr. Barbara Bäumler nahe, dass nur etwa jeder zweite Hund gemeldet ist.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hunde (148)BBV (49)Landwirte (37)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.