Lange Jahre war er bei der Agentur für Arbeit und in Weiden als Vorsitzender der Lustigen ...
Was macht Christian Kalis?

 
Erst war er bei der Agentur für Arbeit, dann studierte Christian Kalis Theologie. Heute ist er Diözesanseelsorger, Landvolkpfarrer und Pfarrvikar. Im Schatten des Doms zu Regensburg gesteht der frühere langjährige Vorsitzende der "lustigen Konrader", dass er Fan der Fernseh-Tatorte München und Münster ist. Bilder: ske (2)

Gleich der erste Kontakt macht deutlich: Christian Kalis hat noch immer viele Freunde und Bekannte in seiner Geburtsstadt. Die Bindung an Weiden hat der 47-jährige nicht verloren, auch wenn er seit einigen Jahren in Regensburg lebt. Mit einer Berufung, einem Beruf, der vielleicht viele überrascht, die Christian Kalis lange kennen. Oder vielleicht auch nicht.

Regensburg/Weiden. Mit Kalis sprach unsere Mitarbeiterin Susanne Kempf.

Sie kommen aus Weiden, leben jetzt in Regensburg. Lebt man in Regensburg anders?

Christian Kalis : So anders ist Regensburg gar nicht. Freilich, das Welterbe ist in der Bausubstanz älter, hat aber durch Universität und Hochschulen ein jüngeres Gesicht, durch die vergleichsweise niedrige Arbeitslosigkeit ist mehr Kaufkraft vorhanden. Für das reiche kulturelle Angebot bleibt mir kaum Zeit. Oft habe ich das Gefühl, ich lebe gar nicht in Regensburg, sondern bin hier nur zum Schlafen: Die meiste Zeit bin ich ja "unterwegs im Auftrag des Herrn". (lacht)

Sie waren nach Ihrer Ausbildung als Sozialversicherungsfachangestellter bei der Agentur für Arbeit tätig, entschieden sich dann für ein Theologiestudium, beschlossen, Priester zu werden. Wie kam es zu diesem sehr schwerwiegenden Schritt?

Die eigene Kraft, Widerstand gegen die Berufung zu leisten, reichte einfach irgendwann nicht mehr! Ich hatte das Gefühl, dass da vielleicht noch ein paar Talente in mir ungenutzt waren. 2004 ließ ich mich auf das Vorhaben Gottes ein. Das war keine Entscheidung von heute auf morgen, sondern ein langer Prozess.

Wie reagierten Familie und Freunde auf Ihre Entscheidung?

Sehr unterschiedlich, aber niemals abweisend. Sie alle - Familie und Freundeskreis - haben mit mir einen Entwicklungsprozess durchgemacht, mich nach Kräften unterstützt, bis wir dann vor fünf Jahren alle gemeinsam sehr froh und glücklich Priesterweihe und Primiz feiern konnten.

Sie waren in Weiden und Umgebung auch bekannt als langjähriger Vorsitzender der Lustigen Konrader. Besuchen Sie noch heute die neuen Aufführungen, bestehen die Kontakte weiterhin?

Leider sind die Kontakte sehr spärlich geworden. Ich habe kaum Zeit, die Versammlungen zu besuchen. Die Vorstellungen schaue ich mir gelegentlich an. Terminprobleme stehen häufigeren Kontakten und Besuchen oft im Weg.

Sie sind Diözesanseelsorger, Landvolkpfarrer und Pfarrvikar. Worin bestehen hier jeweils ihre Aufgaben?

Beim "Pfarrvikar" fehlt eine entscheidende Ergänzung: "nebenamtlich". Das mache ich sozusagen nur in meiner "Freizeit", am Wochenende und zu den kirchlichen Festtagen helfe ich in einer großen Regensburger Pfarreiengemeinschaft mit etwa 7100 Katholiken bei der Feier der Gottesdienste. Lediglich jetzt in den Ferien, wenn sich der Pfarrer seinen wohlverdienten Urlaub gönnt, halte ich "Stallwache" und bin mehr vor Ort.

Und Ihre Hauptaufgabe?

Der eigentliche Dienst liegt zu 100 Prozent im Bereich der Kategorial- bzw. Verbandsseelsorge, das heißt jeweils 50 Prozent bei der "Katholischen Landjugendbewegung" (KLJB) und der "Katholischen Landvolkbewegung" (KLB). Aber so wie jeder Priester habe auch ich, ausgehend von der Botschaft und dem Wirken Jesu, alle grundlegenden Dimensionen des christlichen Glaubens bei meinem Dienst im Blick. Diese sind Liturgie, Gemeinschaft, Verkündigung und das praktische Tun. Meine erste Sorge gilt daher, dass die Mitglieder der Verbände sich regelmäßig um den lebendigen Herrn der Kirche versammeln. Das findet Ausdruck in vielen verschiedenen Gebetsformen, Ritualen, die Leben und Glauben kraftvoll verbinden und von den Mitgliedern aktiv mitgestaltet werden können.

Meine weitere Aufgabe ist es, gemeinsam mit den anderen haupt- und ehrenamtlich Verantwortlichen die Erfahrung christlicher Gemeinschaft in zahlreichen Treffen zu ermöglichen. Als Jugendseelsorger bin ich Begleiter junger Menschen, im besten Fall bei all dem, was ihnen im Alltag wichtig ist. Es freut mich, dass ich jetzt öfter von Brautpaaren zu Hochzeiten angefragt werde, als zu Zeiten, in denen ich in der Pfarrei tätig war.

Ihre Tätigkeit führte sie als Diakon nach Windischeschenbach, als Kaplan nach Amberg und Straubing, schließlich nach Regensburg. Ist das die letzte Station, oder könnten Sie sich vorstellen, als Priester nach Weiden zurückzukehren?

Nach dem Studium und der Priesterweihe bin ich tatsächlich in den letzten fünf Jahren vier Mal umgezogen. Das wird mit Sicherheit nicht der letzte Umzug gewesen sein. Im Augenblick fühle ich mich aber genau auf dem richtigen "Feld". Was später kommt, ist jetzt noch nicht wichtig. Eine dienstliche Rückkehr nach Weiden halte ich aber eher für unwahrscheinlich, denn sie wissen ja: Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Allerdings bin ich zwar zu selten, aber immer noch gerne privat zu Besuch bei der Familie und Freunden in Weiden.

Sie sagen, dass Sie im Fernsehen am liebsten die Tatorte aus München und Münster anschauen. Beides sind ja irgendwie "Tatort mit Augenzwinkern". Betrachten Sie ihren Lebensweg auch mit einem gewissen Augenzwinkern?

Das Regelmäßigste in meinem Leben ist die "Unregelmäßigkeit". Darum ist mir der Tatort am Sonntagabend fast so heilig wie die Messe am Vormittag. Mit Batic, Leitmayr, Thiel, Boerne und all den anderen Kommissaren verbindet mich die Suche nach der Wahrheit. Wenn es eine Wahrheit gibt, etwas, was unser Leben im Kern tatsächlich ausmacht, dann muss es unseren Verstand übersteigen. Letztlich ist es die Umschreibung für das, was wir "Gott" nennen. Wenn ich also auf mein Leben, meinen Weg schaue, dann würde ich weniger mit den Augen zwinkern, als sie vor Staunen aufreißen.

Als Lieblingsbeschäftigung geben Sie "Z 'sammsitz'n, am Leben freuen" an. Was freut Sie an Ihrem Leben besonders?

Es sind eindeutig die unterschiedlichen Menschen, denen ich begegnen darf und die vielfältigen Aufgaben, die mir das Leben stellt.
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