Leichenschau am Festplatz
Umstrittene Anatomie-Ausstellung ab 14. Januar in Weiden

Mehr als nackte Tatsachen: Solche plastinierten Körperteile und Organe sind in einer Ausstellung auf dem neuen Festplatz zu sehen. Bild: hfz
Vermischtes
Weiden in der Oberpfalz
09.01.2016
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Das Unternehmen gleicht einem Wanderzirkus - nur dass sich unter dieser Zeltkuppel denkbar wenig bewegt. Attraktionen sind tote Körper, auf Muskeln, Sehnen und Knochen reduziert. Insgesamt etwa 200 Exponate. Und - so wird versichert - alle echt. Mit den als Plastinaten konservierten Leichenteilen zieht die Truppe der "Steward Dougal Medcare Exhibition Ltd." (Sitz in London) derzeit durch die Republik. Von Donnerstag, 14. Januar, bis Sonntag, 17. Januar, gastiert die Anatomie-Ausstellung "Körper - Die Lehre der Toten" in Weiden. Auf dem Festplatz in der Röntgen-Straße.

Die Max-Reger-Stadt ist nicht die erste Station des Unternehmens, das sich offenbar an Gunther von Hagens' "Körperwelten" anlehnt. Das Medienecho fällt überwiegend negativ aus, kündet unter anderem von "liebloser Gestaltung" und enttäuschten Erwartungen. Dabei präsentiert sich die Schau im Internet und in Pressemitteilungen betont wissenschaftlich: Sie habe sich "der Aufgabe gewidmet, anatomisches Wissen an interessierte Besucher - insbesondere an Schulklassen - zu vermitteln". Schüler in angemeldeten Klassen müssen auch nur je 8 Euro Eintritt berappen. Ein Erwachsener zahlt 15 Euro.

Besonders hart geht die "Thüringische Landeszeitung" mit der Schau ins Gericht. "Geld machen mit toten Menschen" lautete ihre Schlagzeile im Oktober. Und sie erhebt schwere Vorwürfe: "Die Lehre der Toten" sei eine minderwertige, "illegale Kopie" der Ausstellung "Echte Körper - Von den Toten lernen". Andreas Gerhard von "Echte Körper" bezichtigt die Konkurrenz gar, aus China geschmuggelte Exponate zu verwenden.

"Diese Negativkampagne wurde von einem Mitbewerber, einer anderen Ausstellung, in Gang gebracht", klagt Hubert Hupperz vom "Körper-Team" auf NT-Anfrage. "Deshalb laufen bereits rechtliche Schritte." Eine Einigung stehe kurz bevor. Woher also stammen die Leichenteile? Die Plastiante seien Leihgaben der Firma Corcoran Laboratories, Michigan (USA) - "dem führenden amerikanischen Hersteller medizinischer Präparate für medizinische Fakultäten", behaupten die Veranstalter. Die amerikanischen Körperspender hätten verfügt, "dass ihre Körper nach dem Ableben der Ausbildung von Medizinern sowie der Aufklärung von Laien zur Verfügung stehen sollen".

"Wir sind keine ,Körperwelten', eher medizinisch als künstlerisch, und auch nicht so umfangreich", sagt Hupperz. "Aber trotzdem 'ne schöne Ausstellung." Die gastierte Anfang Dezember beim Biller-Möbelcenter in Eching und nun bis 10. Januar "wegen der erfolgreichen Zusammenarbeit" bei Biller in Hof. Dabei hätten die Verantwortlichen des Möbelhauses die Schau in Eching nach der "Negativkampagne" erst absagen wollen. Sie seien "angenehm überrascht" gewesen.
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