Leonhard Brenner sieht Handy-Fotos nicht als Risiko, sondern Chance
Smarte Starthilfe für Kameras

Leonhard Brenner sieht das Smartphone durchaus nicht nur als Konkurrenz zur Kamera. Der Inhaber des gleichnamigen Foto-Versands hat festgestellt, dass die neue Technik auch neue Kunden bringt: Menschen, die dank Handy ihre Liebe zur Fotografie entdecken. Bild: Hartl

Fotos teilen auf Facebook. Per Whats-App schnell mal einen Schnappschuss aus dem Urlaub senden. Smartphones schaffen Bilderfluten. Und bergen dennoch für die Branche der Kamerahersteller und -händler nicht nur Risiken, sondern auch Chancen, meint einer, der es wissen muss.

Leonhard Brenner, Inhaber des gleichnamigen Foto-Versands in Weiden, beurteilt die aktuelle Entwicklung durchaus positiv. Der Wandel von der digitalen zur "smarten Technologie" sei rasant, erklärte der Photoindustrie-Verband vor kurzem mit Blick auf die Photokina im September (der NT berichtete). Vor allem der Absatz bei Digitalkameras sei stark zurückgegangenen. Für den Weidener Großhändler und Kameraspezialisten kein Grund zur Panik.

Macht sich die Vorliebe für Smartphone-Fotos auch in Ihrem Geschäft bemerkbar?

Leonhard Brenner: In gewisser Weise ja. Jeder hat doch heutzutage ein Smartphone dabei. Ich fotografiere auch manchmal damit. Aber letztlich bleibt doch immer noch ein großer Unterschied.

Im Vergleich womit?

Verglichen mit dem Bild von einer guten Kamera. Die Qualität ist immer noch eine andere. Wenn ich ein Foto einfach nur im Internet teilen will, dann ist das mit einem Smartphone einfacher. Wenn ich aber ein wirklich schönes Bild machen will, dann erziele ich mit einer Kamera eine ganz andere Qualität. Es sei denn, jemand nutzt die Vorsätze bei Smartphones, aber das macht kaum jemand. Bei der Kamera kann ich mit Teleobjektiv, Weitwinkel und mehr arbeiten. So lässt sich jedes Motiv optimal abbilden. Man kann mit einer Kamera ganz anders gestalten.

Trotzdem spricht die Fotoindustrie von einem Einbruch bei den Digitalkameras. Gilt das auch für Foto Brenner?

Nur bedingt. Smartphones lösen vor allem die Einsteigerkameras ab. Eine Digitalkamera für 99 Euro - wie früher - kann man heute nicht mehr verkaufen. Aber das ist weniger unsere Klientel, das betrifft mehr die großen Märkte. Wir haben vor allem Kunden, die sehr foto-affin sind. Wer sich früher eine Spiegelreflex-Kamera gekauft hat und intensiver fotografieren will, der kauft sich heute wieder eine Spiegelreflex- oder eine Systemkamera.

Die junge Generation hat ständig das Smartphone in der Hand. Ist sie für die Fotobranche verloren?

Im Gegenteil. Das Smartphone birgt auch eine gewisse Chance für die Fotobranche. Viele sind übers Handy zur Fotografie gekommen. Das Foto hat heute einen ganz anderen Stellenwert als früher. Damals waren die Filme noch teuer. Heute wird so viel fotografiert wie nie. Aber viele Bilder verschwinden in der Versenkung. Wer zur Kamera greift, macht sich ganz andere Gedanken über ein Motiv. Und er wird auch in Zukunft eine gute Ausrüstung nutzen.

Sie fotografieren selbst ab und zu mit dem Smartphone. Warum?

Warum nicht? Wenn man bei schönem Wetter draußen ein Erinnerungsfoto machen will, dann ist ein Smartphone prima. Aber wenn's ein bisserl duster wird, dann merkt man schon einen gewaltigen Unterschied. Außerdem nutze ich mein Smartphone gerne als Selbstauslöser für meine Kamera. Das ist praktisch. Da wird einfach das Handy per Kabel mit der Kamera verbunden. Ich hasse diese Selfie-Sticks, mit denen heute so viele rumrennen.

Sie sehen für Ihre Branche keinen Grund für Zukunftssorgen?

Das stimmt. Die Kamerabranche ist zwar sicher kein wachsender Markt. Inzwischen ist eine gewisse Sättigung erreicht. Aber es wird auch weiterhin mit guten Kameras fotografiert und - wie gesagt - wir haben dank der Smartphones viele Neueinsteiger. Übrigens, was mir in jüngster Zeit im Straßenbild auffällt: Heutzutage hat häufig die Frau die Spiegelreflexkamera umhängen. Die machen offenbar meistens die Familienfotos. Und da ist natürlich Qualität gefragt.
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