Leserbrief
Auf das Banker-Gehalt könnte die Bundeskanzlerin neidisch werden

Zu "Der Zorn des Bürgermeisters" (AZ, 9. Januar):

Nur mit echter Verwunderung kann man aktuell die Diskussion um die Filialschließungen der Sparkasse Amberg-Sulzbach verfolgen. Da agieren Provinzbanker in Anstalten des öffentlichen Rechts, als wären sie in Frankfurt, London oder New York und würden Billionen von Dollars verwalten und weltwirtschaftlich bedeutenden Entscheidungen folgen oder diese gar selbst treffen.

Offenbar haben sie darüber vergessen, welchen Auftrag ihnen die Öffentliche Hand einst gab. Aus selbiger Bürger- und Unternehmerhand nehmen sie sich lieber relativ hohe Gehälter. An dieser Stelle mal ein Dank an Norbert Bücherl, der ein wenig Transparenz in die Jahresgehälter (nicht Struktur, nur Summe) der drei Vorstände des öffentlichen Unternehmens bringt.

Bevor ich nun in den Verdacht gerate, hier möglicherweise nur neidisch sein zu können und deswegen den Leserbrief verfasst zu haben, möchte ich gerne anmerken, dass es mir darum geht, die gerne und häufig angeführte Wirtschaftlichkeit bezogen auf Geldautomaten und Filialen zu beleuchten. Als Zeitungsleser gewinne ich den Eindruck, dass die wirtschaftliche Situation der Sparkasse so schwierig ist, dass Geldautomaten oder gar Filialen an manchen Standorten nicht mehr zu halten sind. Dann aber lese ich, welche Vergütungen an Vorstände geleistet werden. Und da passt der linke nicht zum rechten Schuh!

Der Vorsitzende unserer wirklich räumlich sehr begrenzten und aus New Yorker Sicht nicht systemrelevanten Amberg-Sulzbacher Sparkasse bekommt von seinen Verwaltungsräten und Gremien ein monatliches Brutto zugestanden, das nach Bücherls Angaben höher liegt als das unserer Bundeskanzlerin. Die bekommt knapp 25 000 Euro Monatsbrutto, circa 290 000 Euro pro Jahr. Wenn Angela Merkel beim Thema Einkommen so etwas wie Neid empfinden würde, auf die Vorstandsmitglieder dürfte sie wohl neidisch sein.

Leitmotiv einer Sparkasse soll die Gemeinwohlorientierung sein, nicht die Erzielung möglichst hoher Gewinne. So steht es zum Beispiel im Sparkassengesetz. Sie hat demnach die Aufgabe, der Bevölkerung Möglichkeiten zur verzinslichen und sicheren Geldanlage zu bieten und örtliche Kreditbedürfnisse zu befriedigen. Eine ehrenwerte öffentliche Aufgabe! Ob das Befriedigen der Gehaltsforderungen oder -wünsche der drei Vorstände Dieter Meier, Werner Dürgner und Alexander Düssil mit insgesamt knapp einer Million Euro im letzten Jahr damit gemeint ist, wage ich persönlich zu bezweifeln.

Ein Rätsel bleibt mir auch, warum die zuständigen Aufsichtsgremien der örtlichen Sparkasse diese hohen Summen genehmigen. Ein Oberbürgermeister, ein Landrat oder ein Brigadegeneral verdienen nur einen Bruchteil dessen, sicher weit weniger als die Hälfte, und sie dienen auch der öffentlichen Hand, den Bürgern, die ihnen einen Auftrag erteilt haben.

Ein wenig blauäugig wirkt der Freihunger Bürgermeister aber dann doch. Was ein Banker ihm im Mai 2011 versprochen habe, das kann er doch nicht wirklich im Jahr 2015/2016 noch einfordern wollen. Lieber Norbert Bücherl, nix für unguat, aber "trau, schau, wem" wäre hier ein guter und bewährter Rat. Für die Bankenszene gilt er nach meiner Meinung allemal.

Stephan Koller, Dipl.-Betriebswirt (FH), Ammerthal

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