Leserbrief
Auf dem Weg zur Totalüberwachung

"Gesellschaft des Stillstands"

Ich wundere mich, mit welcher Gleichgültigkeit in der Bevölkerung das alles hingenommen wird: Permanent-Überwachung unseres Lebens bis in die persönlichsten Bereiche durch Internet und Datenvernetzung wird als normal akzeptiert. Eine Autobahnmaut, die unsere Fahrwege protokolliert, soll eingeführt werden. Und nun folgt die Abschaffung des Bargelds durch Einführung von Bargeld-Obergrenzen: der letzte Schritt zur totalen Kontrolle. Und keiner schreit? In den Medien nur eine Randnotiz? Das vielfach wiedergekäute Argument ist hierbei, der anständige Mensch habe durch Überwachung nichts zu befürchten. Und Bargeld nutze ohnehin nur Verbrechern und Terroristen. Diese wolle man durch die Einführung der Obergrenzen bekämpfen. Geht's noch? Auf billigste Art wird hier wie im Mittelalter versucht, mit Angst-Argumenten etwas durchzusetzen. Welcher Terrorist ließe sich denn von so einer Obergrenze von irgendetwas abhalten? Eine Gesellschaft, in der alles kontrolliert wird und jedes Fehlverhalten sofort aufgedeckt wird, ist eine Gesellschaft des Stillstands. Neue Entwicklungen haben immer auch etwas mit Grenzüberschreitungen zu tun. So manches, was früher illegal war, wurde so später legal und normal. Eine Gesellschaft, die dies verhindert, versteinert. Aus Angst, dass etwas passieren könnte, leben wir inzwischen in einem nahezu krankhaften Sicherheitswahn, der teils groteske Formen annimmt. Totale Überwachung, Absicherung, panische Angst vor Verantwortung. Kinder dürfen nur noch mit Helm auf den Spielplatz. Die meisten spüren, dass das nicht richtig sein kann, doch kaum einer kann sich der oberflächlichen Sicherheits-Argumentation entziehen.

Thiemo Lacher, 92224 Amberg
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