Leserbrief
Bargeld hinterlässt keine digitalen Spuren

Zu einer Bargeld-Obergrenze:

Manchmal muss man sich fragen, wo das eigentlich noch hinführen soll, Bargeld zu begrenzen und eine Strafbarkeit für zu hohe Beträge zu schaffen. Bargeld abzuschaffen, ermöglicht absolute Kontrolle. Hauptargument: Kriminalität und Terrorismus. Man schürt ja massiv die Angst der Menschen. Ernsthafte Gedanken über die Hintergründe sind in der Bevölkerung leider fehl am Platz.

1. Was war zuerst da, die Kriminalität oder das Geld? Die ersten Menschen haben noch Ware gegen Ware getauscht. Ab dem Mittelalter setzten sich Edelmetalle als Zahlungsmittel durch, und nach und nach entstand das Geldsystem, das wir heute haben. Und wie lange gibt es Kriminalität? Wann wurde der erste Mensch umgebracht, der erste Diebstahl begangen, die erste Frau vergewaltigt? Unrecht war irgendwie schon immer da.

2. Wie finanziert sich eigentlich der Drogendealer um die Ecke, die Mafia in Italien, der IS? In Italien gibt es bereits seit einigen Jahren Obergrenzen, die mal erhöht und dann wieder herabgesetzt werden. Schon mal was gehört, dass es Auswirkungen auf die Mafia gehabt hätte?

Wer will, findet immer Mittel und Wege, Gesetze zu umgehen. Die riesengroßen Summen, die zur Finanzierung von Terror nötig sind, laufen über weit verzweigte Firmen- und Konten-Netze auf der ganzen Welt. Die Besitzverhältnisse der Firmen setzen sich aus undurchsichtigen Strukturen zusammen, die Konten sind über diverse Länder und Bankensysteme verstreut, das Geld wird nach und nach gewaschen und schließlich beim Empfänger regulär verbucht. Die Herkunft der Summe bis zum ursprünglichen Absender zurückverfolgen? Schwierig bis unmöglich. Daran wird also auch keine Bargeld-Obergrenze der Welt etwas ändern, da hier schlicht kein Bargeld im Spiel ist, sondern faktisch nur elektronische Zahlen weitergeschoben werden.

3. Geldwäsche ist ein Problem, so alt wie das Geld selbst. Das wird auch eine Bargeld-Obergrenze nicht verhindern können, denn 99 Prozent des Geldes werden jetzt schon digital gewaschen, nach dem selben System wie bei der organisierten Kriminalität. Die Justiz- und Banksysteme versuchen seit langem, das Problem zu lösen, sind dabei aber darauf angewiesen, dass die elektronischen Filter in den Buchungssystemen der Banken eine Überweisung überhaupt als verdächtig erkennen.

Bargeld ist gelebter Datenschutz. Es hinterlässt keine digitalen Spuren außer in dem Moment, in dem wir es von der Bank holen oder dort einzahlen. Keiner kann kontrollieren, was in der Zwischenzeit damit passiert ist. Ohne Bargeld wird vieles erschwert oder unmöglich. Wie soll das beim Gebrauchtauto-Kauf funktionieren? Oder: Soll der Ehemann die teure Gold-Diamant-Kette zum 10. Hochzeitstag etwa vom gemeinsamen Konto per Überweisung zahlen, damit die Überraschung schon weg ist, bevor der Hochzeitstag überhaupt da ist? Die totale Abschaffung würde zu totaler Überwachung führen und sowieso nur funktionieren, wenn die ganze Welt mitzieht. Wie soll ich denn im Ausland Geld umtauschen und mein Abendessen im Restaurant bezahlen, wenn es für mich, in meinem Land, gar kein Bargeld mehr gibt?

Tanja Büttner, 92637 Weiden
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