Leserbrief
Da schweigt des Stadtrats Höflichkeit

Zum Abstimmungsergebnis des Stadtrats bei der Entscheidung über die Bebauung des Bürgerspitalgeländes von 25 zu 11:

Ein anderes Ergebnis sei nicht zu erwarten gewesen. Denn der Investor sei doch ganz auf die Vorstellungen der Stadtratsmehrheit eingegangen: ein "Mix aus Handel, Dienstleistung und Wohnen". Und nun? Haben nun alle das "ganz und gar demokratische" Ergebnis zu akzeptieren? Nein! Nach dem Kaufverhalten der Leute wurde nicht gefragt. Dass Hunderte von Parkplätzen in den Garagen des kleinen Stadtzentrums und drum herum leerstehen, wurde nicht berücksichtigt. Wovor weltweit angesehene Stadtplaner warnen und wozu sie raten, interessierte offenbar überhaupt nicht. Welche Erfahrungen vergleichbare Städte gemacht haben und machen, zählte nicht. Welche Vorstellungen, Gedanken und Ideen die eigene Bevölkerung hätte beitragen können, danach zu fragen, kam von Anfang an nicht in Frage. Und wagte einer, seine Bedenken zu äußern, dann wurde er abqualifiziert und madig gemacht.

Und was soll nun der "Mix aus Handel, Dienstleistung und Wohnen" der Stadt und ihren Menschen bringen:

1. Noch mehr Autos sollen auf Ambergs Straßen stinken, lärmen, parken und dafür sorgen, dass Fußgänger und Radfahrer diese Straßen möglichst meiden, noch bestehende Läden schließen müssen und neue nicht entstehen können. - 2. Einen zweiten Drogeriemarkt und einen neuen Lebensmittelmarkt soll es - und da kommt Freude auf! - einmal geben. - 3. Die nördliche Altstadt soll für lange Zeit aufgebuddelt werden, auch wenn das den Garaus für die noch vorhandenen Läden bedeutet. - 4. Das zurückgekaufte Forum (für wie viel?) soll abgerissen werden (mit Zustimmung der Denkmalpflege?). - 5. "Eine" zweigeschossige Tiefgarage mit einer "auffallenden" Einfahrt soll mit den vier halbleer stehenden Tiefgaragen konkurrieren. - 6. Die Kanalisation und Versorgungsleitungen in der Bahnhofsstraße müssen "wegen der neuen Situation" marode sein. - 7. Und was den Steuerzahler das alles kosten wird, darüber schweigt "des Stadtrats Höflichkeit".

Warum? Für die Menschen? Ganz gewiss nicht! Für eine lebenswerte Stadt? Auch das nicht! Warum aber dann? Auch die nächsten Generationen werden das wohl nicht erfahren, auf keinen Fall verstehen, aber die Quittung erhalten.

IG Menschengerechte Stadt, Johannes Lösche (nördliche Innenstadt Ambergs)
Weitere Beiträge zu den Themen: Innenstadt (43)Leserbriefe (332)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.