Leserbrief
Die Energiewende und die Gewinn-Maximierung der Großkonzerne

Soso, die Energiewende war also richtig. Aber bitte nicht zu viel davon! Freiflächenanlagen für Solaranlagen auf landwirtschaftlichen Flächen sind pfui, auch wenn sie dem Boden unter ihnen zwanzig Jahre lang die Chance geben, sich von Überdüngung und Auslaugung zu erholen. Dach-gebundene Solaranlagen sind freilich auch keine Alternative, weil dann überdimensionierte Scheunen in der Landschaft herumstehen. Und Windräder, die auch noch zu sehen sind, gehen schon gar nicht.

Wenn man auf all diese Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien verzichtet, dann ist die Energiewende also "sozialverträglich". Fragt sich nur, wie unter diesen Umständen die Energieversorgung Bayerns sicherzustellen ist. Der NT/AZ-Kommentar räumt ein, dass die Maßnahmen der Großen Koalition und von "König Horst I.", "um die Energiewende gegen die Wand zu fahren", inzwischen so erfolgreich sind, dass "der Ausbau von Wind- und Solarenergie nahezu gestoppt" werden konnte.

Den größten Beitrag zu diesem beschämenden Ergebnis leistet Horst Seehofers 10h-Regelung zur Verhinderung neuer Windräder in Bayern. Wenn es um neue Straßen, Flughäfen u. a. geht, dann ist die Lärmbelästigung der Bürger wurscht, aber bei Windrädern, da ist das natürlich was ganz anderes.

Damit wird Bayern dann abhängig von Braunkohlestrom aus Ostdeutschland, für den natürlich Trassen ausgebaut werden müssen. Die teure Erdverkabelung dieser neuen Trassen könnte man sich sparen, wenn Bayern die Erneuerbaren nicht abwürgen und auf Speichertechnologien setzen würde. Aber hier macht es dann auf einmal nichts mehr, wenn "der Preis hoch ist".

Seine Oberpfälzer Mitbürger, die in Windkraftanlagen investieren, schmäht der NT/AZ-Kommentar als "Goldgräber", denn es könnte ja sein, dass sie mit ihrer Investition auch noch Gewinne machen wollen. In einer Marktwirtschaft ist so ein Gedanke natürlich des Teufels, aber scheinbar nur, wenn es um erneuerbare Energien geht. Die Hauptsache ist offenbar, dass erneuerbare Energien die Öffentlichkeit nichts kosten.

Warum aber regt man sich dann nicht über noch viel höhere Kosten für Offshore-Windanlagen im Meer auf, deren Strom quer durch die Republik transportiert werden muss? Warum wird mit keinem Wort der staatlich garantierte Gewinne in Höhe von fast 10 Prozent für den Netzausbau kritisiert?

Warum ist die jüngst von der schwarz-roten Bundesregierung eingeführte Subventionierung bereits abgeschriebener Kohlekraftwerke auf Kosten der Stromkunden keine Erwähnung wert? Etwa weil von all diesen Maßnahmen ausschließlich große Energiekonzerne profitieren, nicht aber Bürger, die bereit sind, sich bei der Energiewende auch finanziell zu engagieren?

Fazit: Der Kommentar rechtfertigt die Politik der Mächtigen und stellt die Gewinn-Maximierung großer Konzerne nicht in Frage.

Michael Bartl, 92280 Kastl bei Amberg
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