Leserbrief
Die Fifa lässt grüßen

Zum Artikel "FC-Skandal fällt aus":

Was da nun eigentlich passiert ist, was Fakt ist und was nicht, bleibt aufgrund des Mauerns der FC-Verantwortlichen im Dunkeln. Offenbar ermittelte die Staatsanwaltschaft Regensburg - vorrangig oder ausschließlich - gegen Herrn Schweiger. Nun wurde das Verfahren eingestellt, wohlgemerkt aber gegen eine Auflage "im erheblichen fünfstelligen Bereich" - eine doch ungewöhnliche Größenordnung. Der Jurist, insbesondere der Strafverteidiger, weiß, dass eine Einstellung gegen Auflage nach § 153a StPO keine Einstellung nach dem Grundsatz in dubio pro reo ist und schon gar keine wegen erwiesener Unschuld. Das Gesetz sieht diese Vorgehensweise nur dann vor, wenn zwar ein hinreichender Verdacht gegen den Beschuldigten besteht, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung aber durch Entrichtung einer Auflage beseitigt werden kann.

Es scheint nun tatsächlich so gewesen zu sein, dass Sozialversicherungsbeiträge nicht abgeführt worden waren, denn sonst hätte eine Nachzahlung nicht zu erfolgen brauchen. Dass Herr Schweiger nicht wissen will, ob und welche Zahlungen nunmehr geleistet worden sind, erstaunt den Fachmann. Eine Einstellung gegen Geldauflage ist nämlich nur mit Zustimmung des Beschuldigten möglich. Dass der Verteidiger eine solche Zustimmung ohne Rücksprache mit dem Mandanten erklärt, schließe ich aus fachlicher Sicht aus. Vielleicht jongliert der "FC-Mäzen" aber tagtäglich mit so erheblichen Geldbeträgen, dass ihm eine Nachzahlung in fünfstelliger Höhe gar nicht mehr auffällt.

Beim FC Amberg ist nicht nach den gesetzlichen Vorschriften gearbeitet worden. Wenn die AZ nun titelt, der FC-Skandal falle aus, so kann dem nicht zugestimmt werden. Der eine (Schweiger) will nichts wissen, der andere (Aichner) will nichts sagen. So arbeitet man die Versäumnisse in den eigenen Reihen sicherlich nicht auf und gibt ein Bild in der Öffentlichkeit ab, wie man es derzeit auch beim Welt-Fußballverband Fifa erlebt.

Für den Verteidiger des Herrn Schweiger ist der Ausgang des Ermittlungsverfahrens ein Erfolg. Den im Artikel der AZ beschriebenen Reaktionen der Herren Schweiger und Aichner könnte man entnehmen, dass der FC Amberg hier immer noch etwas unter den Teppich kehren will. Und das wäre dann doch ein Skandal.

Jörg Jendricke, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Strafrecht, Amberg

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