Leserbrief
Elternbeiräte plädieren für schrittweise Sanierung der Grundschule

Sanierung oder Neubau der Grundschule? Diese Frage beschäftigt die Waldershofer Stadträte bereits seit geraumer Zeit. Nun meldet sich der Elternbeirat der Jobst-vom-Brandt-Schule zu Wort. Vorsitzende Ruth Schindler schreibt im Namen des Gremiums:

"Da zum jetzigen Zeitpunkt noch keinerlei Kostenschätzungen existieren und wir die finanziellen Dimensionen der unterschiedlichen Varianten nicht beurteilen können, nehmen wir zu diesem Thema unter Vorbehalt der finanziellen Realisierbarkeit Stellung.

Auch wenn ein kompletter Neubau sehr verlockend klingen mag, spricht sich die Mehrheit des Elternbeirates dennoch für eine schrittweise Sanierung des bestehenden Gebäudes aus. In den letzten Jahren wurde aufgrund der sinkenden Schülerzahlen die flexible Grundschule eingeführt. Dieses Konzept sieht vor, dass Kinder aus zwei Jahrgangsstufen in kleineren Klassen zu einem großen Teil gemeinsam unterrichtet werden. Für die Vertiefung und Intensivierung des Lernstoffes ist es immer wieder erforderlich, Schüler stundenweise räumlich zu trennen. Dies konnte aufgrund der bestehenden Räumlichkeiten bisher hervorragend umgesetzt werden. Alle Klassenzimmer wurden dafür umgebaut und mittels einer Trennwand aus Glas geteilt, so dass es der Lehrkraft möglich ist, sich mit einem Teil der Schüler intensiv zu beschäftigen und den in der Zwischenzeit selbstständig arbeitenden restlichen Teil der Klasse nicht unbeaufsichtigt zu lassen.

Nur noch ein Viertel


Bei einem Neubau eines Schulgebäudes werden die Räume deutlich kleiner dimensioniert und die phasenweise räumliche Trennung der Schüler wird nicht mehr möglich sein. So stehen den einzelnen Kombi-Klassen derzeit großzügige Klassenzimmer zur Verfügung, bei einem Neubau würden die Klassenzimmer nur noch ein Viertel der bisherigen Größe haben und könnten somit nicht mehr geteilt werden. Nach jetzigem Stand wird der Bedarf für verlängerte Betreuungszeiten am Nachmittag weiter steigen. Wenn Kinder einen Großteil des Tages in der Schule verbringen, wird es immer wichtiger, entsprechende Bewegungsräume zu schaffen. Obwohl die Turnhalle an vielen Tagen anderweitig belegt ist, kann dieser Anforderung bei einer Aula-Größe von rund 500 Quadratmetern gut Rechnung getragen werden. Bei einem Neubau würden jedoch nur noch etwa 60 Quadratmeter Aula eingeplant.

Die Aula wird, abgesehen von schulischen Zwecken, auch von zahlreichen Vereinen und Institutionen genutzt (Blutspende, Square Dance, Veranstaltungen der Stadt wie Bürgerversammlung, Neujahrsempfang, Parteiveranstaltungen, Theaterabende, Festivitäten), da in Waldershof ansonsten kein adäquater Veranstaltungsort zur Verfügung steht. Wenn diese Termine aus Platzgründen zukünftig alle in die Sporthalle verlegt werden müssten, würden sowohl der Schulsportunterricht als auch der Vereinssport deutlich beeinträchtigt werden. Auch ist die weitere Entwicklung der Einwohnerzahl von Waldershof schwer abschätzbar. Derzeit werden neue Gewerbegebiete ausgewiesen, ein neues Baugebiet geplant. Und wie sich die aktuelle Entwicklung bei den Flüchtlingen auf Waldershof auswirkt, vermag niemand abzusehen. In jedem Falle können wir aber mit einem größeren Schulgebäude flexibler auf diese Entwicklungen reagieren.

Schon viel investiert


Hinzu kommt, dass in das bestehende Schulgebäude bereits hohe finanzielle Investitionen getätigt wurden. So hat die Stadt Waldershof in den letzten Jahren insgesamt etwa 355 000 Euro für die Renovierung des Schulgebäudes bereitgestellt. Beim Neubau eines Schulgebäudes wären diese bisherigen Investitionen verloren.

Der Stadtrat von Waldershof hat nun entschieden, insgesamt fünf Alternativvorschläge erarbeiten zu lassen. Wir fordern, dass hier nicht nur finanzielle Aspekte im Vordergrund stehen, sondern dass auch pädagogische Erwägungen in die Beurteilung des Stadtrates mit einfließen. Es muss letztendlich der Vorschlag realisiert werden, der für die Stadt Waldershof wirtschaftlich vertretbar ist, der aber vor allem auch die besondere Situation der flexiblen Grundschule mit berücksichtigt.

Ohne dass wir derzeit die genaue Kostenbelastung kennen, scheint uns eine sukzessive Sanierung des bestehenden Gebäudes der beste Weg zu sein. Wir erhalten die großzügigen Räumlichkeiten und bringen sie bautechnisch auf den neusten Stand. Bereits im Vorfeld sollten daher Architekten, Planer und Schulleitung eng zusammenarbeiten und eine Lösung finden, welche in erster Linie dem Wohl der Kinder entspricht."

Ruth Schindler Waldershof

___

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.