Leserbrief
"Erfolg" bei Crystal nur, weil Polizei ausgedünnt wird

"Ermittler finden weniger Crystal":

Für mich ist es Zynismus, wenn Staatssekretär Eck trotz Anstieg der Todesfälle, aber sinkenden Aufgriffszahlen "bei Crystal (...) einen kleinen Erfolg" meldet. Neue, bisher unbekannte Vertriebswege spielen sicher eine Rolle. Es könnte aber auch mit daran liegen, dass den Polizeidienststellen im Grenzgebiet immer weniger Personal zur Verfügung steht, um diese Vertriebswege aufzudecken.

Anders als etwa bei Gewalt- und Eigentumsdelikten gibt es bei Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz selten Geschädigte, die zur Polizei kommen und Anzeige erstatten. Zur Bekämpfung der Drogenkriminalität muss die Polizei vielmehr von sich aus tätig werden und durch gezielte Kontrollen nach solchen Delikten suchen. Ich glaube, das nennt man Fahndung.

Doch viele Polizeidienststellen im grenznahen Raum können ihren gesetzlich festgeschriebenen Fahndungsauftrag nur noch sehr eingeschränkt erfüllen. Die Bundespolizeiinspektionen Selb, Waidhaus und Waldmünchen ordnen seit Jahren etwa ein Fünftel ihrer Grenzfahnder zu sogenannten Schwerpunktdienststellen wie den Münchner Flughafen ab. Mit Maschinenpistole und Schutzweste als "Anti-Terror- Streife" durch die Abflughalle schlendernd, finden sie dort genau so viel Crystal wie ihr Kollege, der vor grenznahen Polizeidienststellen immer häufiger anzutreffende "Eiserne Schutzmann".

Weniger Polizisten im Grenzgebiet bedeuten auch weniger Kontrollen. Weniger Kontrollen, weniger Risiko, erwischt zu werden und, oh Wunder, auch weniger Aufgriffe. So einfach ist das. Aber nicht Schlimm. Jede Statistik lässt sich schönreden. Die geschätzte Dunkelziffer wird erst gar nicht erwähnt und die anderen Zahlen muss man nur "richtig" interpretieren, um sie als Erfolg zu verbuchen.

Sandro Wallisch, 92526 Oberviechtach
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