Leserbrief
EU-Mitgliedschaft der Türkei darf noch etwas dauern

Zu Böhmermann/Erdogan:

Die größte Bankrotterklärung an die Presse- und Informationsfreiheit ist die Zustimmung bzw. das Kuschen und Einknicken von Merkel, dem Ersuchen der Türkei bzw. dem von Erdogan nachzugeben und einem Strafverfahren gegen Böhmermann zuzustimmen. Ich kann mich des Eindrucks nicht verwehren, dass der kürzlich geschlossene Asyl-Deal mit der Türkei eine gewichtige Rolle spielt bzw. sogar der Hauptgrund sein könnte. Merkel hat sich da von Erdogan hat mehr oder weniger erpressen lassen: Keine Zustimmung zum Strafverfahren - kein Asyl-Deal. Zugeben wird dies im politischen Berlin niemand, denn wer will schon sein Gesicht (noch mehr) verlieren?

Die Bestreitung des Rechtswegs kann Erdogan selbstverständlich anstreben. Das spreche ich ihm nicht ab. Dies von Privatmann zu Privatmann zu klären, wäre von Anfang an besser gewesen, anstelle das Ganze auf die politische Ebene zu hieven und somit erst der Öffentlichkeit noch mehr bekannt zu machen, als es die Fernsehsendung alleine vermocht hätte. Bevor er aber hier Satiresendungen kritisiert, sollte er im Gegenzug bei sich zu Hause erst für demokratische Verhältnisse sorgen und die Pressefreiheit in seinem Land nicht mit Füßen treten, indem er regierungskritische Journalisten einsperren und auf Demonstranten einprügeln lässt. Eine offizielle Beschwerde der Bundesregierung bei der Türkei über diese Missstände würde, anders als beim Ersuchen von Erdogan, umgehend und vehement als Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Türkei zurückgewiesen. Den Rummel, der das Ganze zur Staatsaffäre aufgeblasen hat, hat einzig allein Erdogan selbst zu verantworten. Die Türkei strebt die Vollmitgliedschaft in der EU an - was aber noch ein langer, langer Weg sein dürfte und nach meiner Meinung durchaus auch noch dauern darf.

Klaus Keil, 92690 Pressath
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