Leserbrief
Für Urbi-et-orbi-Segen fehlt wohl die Einsicht in die Sünden; Ortsumgeheung Tanzfleck

Zu "Von Realität der Ströme eingeholt" (AZ, 18. Januar):

Der Schlusssatz des Landrates beim Neujahrsempfang, dass er nicht befugt sei - trotz Rombesuch - , den Anwesenden den Urbi-et-orbi-Segen zu erteilen, hat noch eine weitere theologische Begründung.

Nach katholischer Lehre ist allen, die den Segen empfangen und guten Willens sind, ein vollkommener Ablass ihrer Sündenstrafen zu gewähren. Nicht dass ich bezweifle, dass angesichts der gehäuften Politprominenz bei Neujahrsempfängen es sich nicht um die richtige Zielgruppe handelte. Zur Sündenvergebung sind aber Einsicht des Vergehens und guter Wille Voraussetzung. Hier schleichen sich bei mir dann doch erhebliche Zweifel über die Wirksamkeit des Segens bei dieser Veranstaltung ein. Dies wusste wohl der Landrat und verzichtete darauf.

Aber wenn wir schon die Theologie bemühen. Sprichwörtlich aus Matthäus 7,20 wissen wir: "An ihren Taten sollt ihr sie erkennen" - und nicht an ihren Grußworten, auch wenn sie noch so humorvoll sind.

Jürgen Donhauser Kümmersbruck


Zur Ortsumgehung Tanzfleck, gegen die drei Klagen vorliegen (AZ, 5. Januar):

Aus der Traum vom gallischen Dorf. Schade, enttäuscht nicht nur der Bürgermeister aus Freihung, wir in Tanzfleck als Neubürger sind es auch. Toll würde alles so passen - bis auf den Lärm. Aber drei Klagen, ja drei Klagen können so ein Projekt auf Messers Schneide bringen.

Bis diese vor Gericht ausgefochten sind, kann es sein, dass die jetzt genehmigten Mittel anderweitig ausgegeben werden, gegebenenfalls landet das Ganze wieder in der Schublade, verstaubt. Hoffentlich findet die nächste Generation es wieder und kann dann den Traum vom gallischen Dorf aufleben lassen. Den Leuten, die diesen Wahnsinn des Straßenlärms nicht bis ins Rentenalter aushalten wollen, bleibt nur, die Koffer zu packen und ein anderes Wohn-Geschäfts-Domizil auf lange Sicht zu suchen. Es werden deshalb weiter Lastwagen, Pkw und Militärfahrzeuge, sogar Panzer - ob deutsch oder von Nato-Partnern - durch den Ort donnern. Wir sind's ja gewöhnt, da kann man nichts machen.

Die anderen Anwohner haben schon vor langem resigniert. Die Gegenpartei mit ihren fadenscheinigen Gegenargumenten (Sandbergweiher Naturschutzgebiet) wird wieder Recht bekommen. Auch wenn ich nicht zur Bundeswehr gegangen bin, kann ich schon einen Leopard-2-Kampfpanzer erkennen. Ich habe diese Zeit beim BRK in Wackersdorf oder Landkreisläufen zum Wohle der Sicherheit der Mitbewohner abgeleistet - und das auch nicht bereut, möchte ich anmerken. Wir werden sehen, ob wir den Koffer wieder packen müssen. Die Suche nach dem gallischen Dorf mit Flair hat wieder begonnen. Wir gucken, was sich hier oder im anderen Landkreis so ergibt.

Lothar Becker, Tanzfleck

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