Leserbrief
Grundrechte verletzt

Domspatzen: Strafen mit System

"Chor oder Prügelknaben":

Speziell wird auf die Zeit von 1954 bis 1992 eingegangen. Hier möchte ich auf die Vorschule der Regensburger Domspatzen eingehen. Es existierte ein System der Bestrafung. Dabei wurden Kopfnüsse mit dem Schlüssel in der Faust bei "zu spät in den Unterricht kommen" verteilt. Weiter wurde "Tändeln", was immer das sein mag, mit Gesichtsschlägen bestraft. Klavierschüler wurden mit spitzen Bleistiften an den Händen traktiert. Das Wort "Watschn" wäre zu niedlich formuliert, wenn die Schüler langanhaltendes Pfeifen in den Ohren hatten und der Kiefer tagelang schmerzte. Zudem wurden Kinder nachts grundlos aus dem Bett gekippt. Nun haben sich Opfer- und Kirchenvertreter an einen Tisch gesetzt. Lange wurde von der Diözese Regensburg versucht, das Vorgefallene zu verdrängen. Nun versucht die Diözese, durch eine Einmalzahlung von 2500 Euro pro Geschädigtem das Problem aus der Welt zu schaffen. Die psychischen, ja auch körperlichen Probleme sowie die Trauma-Folgestörungen verjähren leider nicht. Allein die Kosten einer psychotherapeutischen Bearbeitung dafür sowie Reisekosten übersteigen diesen Betrag. In einem standardisierten Brief entschuldigt sich zwar die Diözese Regensburg, das Leid der Betroffenen aber ist damit noch längst nicht "abgeschaltet".

Wenn es paar "Watschn" gewesen wären, hätte sich wohl keiner zu Wort gemeldet. Grundrechte - auch wenn es "nur Kinder" sind - machen auch vor einer Klostermauer nicht Halt.

Magnus Meier, 92224 Amberg

Körperliche Strafen damals gang und gäbe

Da soll es "nach Hochrechnungen" angeblich von 1953 bis 1992 in "etwa 700" Fällen körperliche oder psychische Gewalt gegen Schüler gegeben haben. Dies würde bedeuten, dass durchschnittlich 17,5 mal pro Jahr oder (bei angenommen 200 Schultagen pro Jahr) alle 11 Tage einmal ein Schüler geschlagen wurde. In meiner eigenen Schullaufbahn von 1960 bis 1974 in staatlichen Schulen hatte ich es mit mindestens drei schlagenden Lehrern zu tun. An manchen Tagen mussten da mehr als fünf Schüler gleichzeitig in Reihe antreten, um ihre Tatzen abzuholen. Wenn in diesem Fall jeder dieser drei Lehrer auch nur an jedem dritten Tag nur jeweils einen einzigen Schüler geschlagen hat, kommt man auf einen geschlagenen Schüler pro Tag oder 200 pro Jahr an diesen öffentlichen Schulen. Was sind dagegen 17,5 pro Jahr bei den Domspatzen? Wenn dann ein sogenannter "Internatsexperte" feststellt, dass an öffentlichen Schulen grundsätzlich weniger geschlagen wurde, relativieren sich diese Zahlen noch deutlich.

Tatsache ist, dass körperliche Züchtigungen in früheren Jahren an ausnahmslos allen Schulen üblich waren. Was soll dieser penetrante Fokus auf die Domspatzen?

Wolfgang Schmeller 95643 Tirschenreuth
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