Leserbrief
Keine Zeit für Kinder: Trauriges Deutschland

"Frauen in der Teilzeitfalle"

Der Artikel ist ein trauriges Beispiel dafür, wie die Frau als Mutter gesehen wird. Schon allein der Titel "Falle" suggeriert doch schon, es sei etwas Negatives, Böses, in Teilzeit zu gehen. Früher war es völlig normal, dass sich die Mutter Zeit für ihre Kinder genommen hat. Dies geschah dadurch, dass sie entweder in Teilzeit oder aber gar nicht gearbeitet hat.

Dass finanzielle Nachteile entstehen, ist leider Realität und politisches Versagen. Ich finde die Aussage der Arbeitsamt-Mitarbeiterin fatal, die Frau solle "so früh und so viel wie möglich wieder arbeiten". Ich möchte nicht die Frauen ver- oder beurteilen, die dies tun. Die Entscheidung ist von jedem individuell zu treffen. Aber zu welchem Preis wird hier gearbeitet? Ein ganz kleines Kind mit ein, zwei Jahren für 8 bis 9 Stunden täglich in die Krippe? Selbst bei Kindergartenkindern: Wann sieht man sein Kind dann eigentlich unter der Woche noch? Frühmorgens eine halbe Stunde, in der es eilig fertig gemacht wird und abends, wenn eine Stunde für Freizeit bleibt, ehe das Bett schon wieder ruft.

Arbeiten beide Elternteile Vollzeit, bedeutet das, es ist noch nichts gemacht, wenn man abends von der Arbeit kommt. Es ist nicht eingekauft, gekocht, aufgeräumt, geputzt. Dann kommt der kleine Nachwuchs für ein paar Minuten dran. Die Kindheit sollte heilig sein - leider wird sie wirtschaftlich betrachtet, nicht sozial. Klar, im Kindergarten werden die Kinder mit allem versorgt, was sie brauchen. Essen, Trinken, Spielen, Erziehen durch Erzieher. Die Rolle der Mama übernimmt die nette Tante. Aber die ist und bleibt nicht die Mama. Ein Kind ist nur einmal und auch nur ganz kurze Zeit wirklich Kind.

Wenn man einen Hund vom Züchter kauft, heißt es "Sie arbeiten Vollzeit? Dann verkaufe ich Ihnen den Hund nicht. Wer so viel arbeitet, hat keine Zeit für einen Hund." Aber für ein Kind gelten wohl andere Maßstäbe. Trauriges Deutschland.

Katharina Schultes, 95514 Neustadt am Kulm
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