Leserbrief: Künftig schauen wir auf Beton
Zur Berichterstattung über die Bürgerversammlung und die Bebauung der Hans-Sachs-Straße:

Der Begriff Bürgerversammlung ist eigentlich nicht ganz richtig, denn der Bürger hat da eigentlich relativ wenig zu melden. Denn es ist ja schon alles entschieden. Diese Baugenehmigung hinterlässt bei mir einen sehr faden Beigeschmack. Das Bauvorhaben wurde über ein Jahr wegen des fehlenden Bebauungsplans geblockt, eine Voranfrage wurde auch wegen der hohen Geschosszahl abgelehnt.

Das Bauvorhaben wurde nun mit Veröffentlichung im Amtsblatt vom 4. September (das war noch voll in der Haupturlaubszeit) mit vierwöchiger Klagefrist genehmigt. Mit dem Hinweis, dass es keine Einspruchsmöglichkeit gibt, sondern nur der Klageweg über das Bayerische Verwaltungsgericht in Regensburg offensteht. Die Beteiligung der Nachbarn wurde abgeschafft.

Somit hatte man auch 69 Anwohnern keine Möglichkeit gegeben. Bauausschuss und Stadtrat wurden im Genehmigungsverfahren nicht beteiligt. Das Bauvorhaben stellt eine massive Nachverdichtung der vorhandenen Wohnbebauung dar und damit eine starke Beeinträchtigung der Wohnqualität in dieser Straße.

Die vorgesehene Bebauung ist ein hoher viergeschossiger Block, der auch die Sonneneinstrahlung erheblich beeinträchtigt. Für den vorhandenen und den geplanten Block.

Aber es wurde ja darauf geantwortet, dass man die Sonne mit einer Wohnung nicht mitkauft. Fehlende Oberflächenparkplätze führen zu einem außerordentlichen Problem, da bereits heute die vorhandenen Stellplätze für die Anwohner von Jahn-und Hans-Sachs-Straße nicht ausreichen. Aber wir können dafür ja auf den 2016 neu erstellten Parkplatz beim Café Parapluie fahren.

Baureferent Markus Kühne verschanzte sich bei dieser Versammlung recht emotionslos hinter seinen Paragrafen oder Verordnungen, statt mit den anwesenden Bürgern den persönlichen Dialog zu suchen und die Gelegenheit zu geben, etwas einzubringen oder etwas mit zu bewirken. Wo bleibt da der Bürger ?

Es wird ja immer sehr viel von Bürgernähe gesprochen. Der Bürger soll sich mit einbringen. Aber was nützt das, wenn schon alles gelaufen ist? Man macht das ja sowieso, wie man will. Ist das Kommunalpolitik?

Ich wohne hier schon fast 40 Jahre und das war immer schön. Wenn man aus dem Fenster gesehen hat, hat man Bäume gesehen. In Zukunft schauen wir auf Beton. Und auch unsere Eigentumswohnung verliert dadurch sicher an Wert. Aber es gibt ja auch wieder Wahlen, da kann man einige Herren dezent daran erinnern.

Günter Wollak Amberg

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