Leserbrief
LED-Leuchten spenden keinen Sauerstoff

Zu der Debatte um Baumfällungen in Waldershof und einer Pressemitteilung von Bürgermeisterin Friederike Sonnemann:

Laut Bürgermeisterin Sonnemann werden durch die Umstellung auf LED-Lampen 89 Tonnen Kohlendioxid (CO2) jährlich eingespart. Eine Buche mit einem Stammdurchmesser von 30 Zentimetern nehme dagegen nur 12,5 Kilogramm auf. Nach dieser Rechnung spart die Umstellung der Straßenbeleuchtung so viel CO2 ein wie 7120 Bäume speichern können!?! Fakt ist, dass ein typischer Laubbaum von 30 Zentimeter Stammdurchmesser der Atmosphäre etwa 1000 Kilogramm CO2 entzogen hat, bei einem Stammdurchmesser von 60 Zentimeter sind es bereits über 6000 Kilogramm (Bundeswaldagentur). Bei den im Biotop "Langer Weg" bedrohten Linden mit einem Durchmesser von einem Meter und darüber werden Werte von 15 bis 20 Tonnen erreicht - pro Baum wohlgemerkt. Der geringste Teil davon wird in Form von Kohlenstoff im Holz verbaut, das meiste wird über den Laubfall als Humus im Boden gespeichert. Bäume sind CO2-Senken, je größer, desto effizienter. Ein 100-jähriger Laubbaum besitzt eine Blattoberfläche von der Größe eines Fußballfeldes, spaltet jährlich rund 6 Tonnen Kohlendioxid auf und gibt dabei über 5000 Kilogramm Sauerstoff ab. Gleichzeitig arbeitet der Baum wie eine Klimaanlage. Das von den Wurzeln angesaugte Wasser verdunstet auf den Blättern, an heißen Sommertagen können das mehrere Hundert Liter Wasser sein. Außerdem filtert er im Jahr etwa eine Tonne Staub und Schadstoffe aus der Luft. Der ökologische Wert dieser Leistungen wird bei den geplanten und bereits durchgeführten Fällaktionen der Stadt in keiner Weise berücksichtigt. Natürlich braucht Waldershof ein ambitioniertes Klimaschutzkonzept, die Umstellung auf LED-Lampen kann hier nur der erste Schritt sein. Wenn allerdings die erwarteten CO2-Einsparungen als Entschuldigung für Abholzungen herhalten sollen, dann ist das Ablasshandel. LED-Leuchten werden weder bei uns die Luft filtern und Sauerstoff spenden, noch unseren Ort kühlen oder Lebensraum für Insekten, Vögel und Fledermäuse bieten.

Ursula Schimmel, Bund Naturschutz im Landkreis Tirschenreuth

___

Leserbriefe müssen nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe sinnwahrend zu kürzen.
Weitere Beiträge zu den Themen: Umwelt (40)Leserbriefe (393)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.