Leserbrief
Mehr Plastik als Fische im Meer

"Rückgrat des Wohlstandes":

Vieles, was früher mal als gut betrachtet wurde, erweist sich nachträglich als Bumerang. So sitzen z. B. unsere Politiker vor den Scherben (Entsorgungskosten) der einst hochgepriesenen Atomenergie und ihre Erben werden sich noch lange an diesen schneiden. Dass die Politik ein mehr oder weniger großes Narrenspiel ist, belegen viele Beispiele: "Kleine Beispiele von Vernunft änderten noch nie etwas am großen Narrenspiel der Zunft", sagte schon Christian Morgenstern.

So schaufeln Politiker nach der Kernspaltung am nächsten Milliardengrab, der Kernfusion, und das, obgleich wir den besten, größten, billigsten und sichersten Fusionsreaktor bereits in Betrieb haben - die Sonne. Wir müssten nur 1 bis 2 Prozent ihrer Einstrahl-Energie sinnvoll nutzen, um den Planeten energetisch zu versorgen. Schon 1970 erarbeiteten 160 Wissenschaftler weltweit eine prognostische Studie für Präsident Carter, in der zu lesen steht: Eine Überplanung zu einem Elftel der bestehenden Wüstengebiete mit Photovoltaik könnte den gesamten Energiebedarf der Menschheit (inklusive Industrie und Verkehr) decken. Aber was ist in den folgenden 45 Jahren daraufhin erfolgt? Nichts! Nicht mal ein Tausendstel der Wüsten ist überplant, um das Wasserstoffzeitalter einzuläuten. Der Wandel zum Wasserstoffzeitalter wurde politisch verschlafen und industriell blockiert. Die Industrie versteift sich nur auf immer hochgradiger wirksame Dachpanele anstelle von billigen und robusten Wüsten-Großüberplanungen.

Ein anderes Beispiel wäre die Nutzung der Windenergie: Warum nicht billige Dachfirst-Walzendynamos, welche die Aufwinde der Hausdachflächen mitnutzen und von Windstärke 3 bis12 funktionieren? Diese würden mehr als doppelt so lange und zu jeder Jahreszeit Strom erzeugen im Vergleich zur Photovoltaik. Nur mit beiden zusammen würde man sein Hausdach "vollenergetisch" und nahezu ganzjährig nutzen: Ein neuer Dorn im Auge von Riesenwindradproduzenten und Verstromern! Aber der Weg zur Nutzung aller regenerierbaren Quellen dürfte wohl unbestreitbar der zukunftsweisende Pfad sein, wenn die kommenden Generationen auch noch überleben wollen in einer Welt, die bisher schon Greenhouse-Gase im Überfluss in der Luft, mehr Plastik als Fische im Meer und mehr Pestizide als Würmer im Boden hat.

Richard Seidenbusch, 92237 Sulzbach-Rosenberg
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