Leserbrief
Mit Herzblut an der Heimat

"Landsmannschaft will Heimat nicht zurück":

Mit einem gefühlten Stich ins Herz habe ich den Artikel gelesen. Mit mir gingen die Emotionen durch und ich habe erst einmal bitterlich geweint. Es tut unwahrscheinlich weh. Wer hat denn das Recht, ganz allgemein diesen Verzicht zu beschließen? Man kann doch nicht so ganz einfach eine Satzungsänderung vornehmen, in der auf "Wiedergutmachung der Heimat" oder "gleichwertige Entschädigung" verzichtet wird. Ich weiß nicht, welche 72 Prozent der Landsmannschaft ihre Zustimmung gegeben haben, aber es bleiben immerhin noch 28 Prozent, die dagegen sind. Diese 28 Prozent sind ganz bestimmt die Erlebnisgeneration, zu der auch ich gehöre, die mit ihrem ganzen Herzblut an der verlorenen Heimat hängt. Ich schließe mich den Kritikern an, die dem Sprecher der Sudetendeutschen, Herrn Posselt, vorwerfen, die "Rechte der Sudetendeutschen preiszugeben". Kann sich denn niemand mehr vorstellen, welch großes Leid unseren Eltern und Großeltern, uns allen damals angetan wurde? Das ureigenste Recht eines Menschen auf seine angestammte Heimat wurde uns doch auf das Übelste geraubt.

Es ist anzunehmen, dass nach mehr als 70 Jahren nur mehr 28 Prozent der Erlebnisgeneration leben. Aber nun die "Tragik": Wir, die in den späten 30er-, Anfang 40er-Jahre Geborenen, wir, die kleinen Kinder von damals, was wissen wir von unserer Heimat? Wir wurden doch aus ihr vertrieben, noch ehe wir sie kennenlernen konnten. Man hat uns doch schon in unseren jungen Jahren unser väterlichen und kulturellen Erbes beraubt. Geblieben sind die offene Frage "Wie war das doch?" und das "Heimweh".

Vielleicht hätte man humanerweise mit dem "Verzicht" noch 10 bis 15 Jahre warten können, dann hätte man der Erlebnisgeneration nicht noch einmal die Heimat genommen. Dieses Problem hätte sich bis dahin von selbst gelöst. Geblieben sind uns die brutale Vertreibung, so wie heute das Unrecht mit Verzicht auf unsere Heimat. "Unsere Ehre und unsere Liebe zu unserer Heimat", die kann uns nichts und niemand nehmen.

Maria Baier, 92648 Vohenstrauß
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