Leserbrief
Nach vorne denken, aber nicht alles Alte abreißen

Zum Bericht "Bahnhof muss weg, Tiefgarage her":

CSU-Stadtrat Thomas Bärthlein bringt da offensichtlich etwas durcheinander, wenn er mich als Totengräber der Stadt bezeichnet. Nicht die IG Menschengerechte Stadt will die Stadt aufgraben, um eine völlig überflüssige Tiefgarage zu schaffen, eine Art Krypta für unser liebstes Kind, sondern Herr Bärthlein und die Mehrheit seiner Stadtratskollegen.

Um beim Bild des Totengräbers zu bleiben, sei noch angemerkt, dass wir im Gegensatz zu Herrn Bärthlein und seinen Mitstreitern den Abgasausstoß durch Fahrzeuge in der Altstadt drastisch reduzieren wollen.

Des Weiteren bin ich auch nicht mit der Abrissbirne unterwegs, wie CSU-Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger und, was zu befürchten ist, die Mehrheit des Stadtrates, die fordert: "Der Bahnhof muss weg!"

Ich empfehle, bei dem berühmten Bauhaus-Architekten Le Corbusier nachzulesen, der bezüglich Architektur fünf Forderungen aufgestellt hat, die sich weitgehend im Erscheinungsbild des Amberger Bahnhofs wiederfinden. Stünde die Villa Savoye, Corbusiers berühmtestes Bauwerk, in Amberg, sie wäre vermutlich auch von der Abrissbirne bedroht. Es wäre sinnvoll, den Amberger Bahnhof behindertengerecht umzubauen, statt ihn abzureißen. Amberg hat schon zu viel abgerissen, zum Beispiel das Postbetriebsgebäude oder auch die Emailfabrik Baumann, wo man es versäumt hat, ein oder zwei Gebäude als Architekturbeispiele aus der Zeit der Industrialisierung der Nachwelt zu erhalten. Geschichte ist auch in Architektur lesbar.

Selbstverständlich muss man nach vorne denken und es lässt sich auch moderne Architektur mit historischer kombinieren, wie beim Stadtmuseum geschehen. Mit dem Einfahrtbauwerk der geplanten Tiefgarage in der Altstadt kann das allerdings nicht gelingen, selbst wenn es nicht so hässlich wird, wie die Verantwortlichen nicht müde werden zu betonen - eine Visualisierung dieser Behauptung wird den Bürgern allerdings immer noch vorenthalten.

Achim Hüttner, Vorsitzender IG Menschengerechte Stadt

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