Leserbrief
Nicht nach demStoff beurteilen

In meinem fast sechs jahrzehntelangen Leben fällt mir heute durch den Artikel auf, wie unschlüssig die öffentliche Meinung mit der "Kleiderordnung" umgeht. In meiner Kinderzeit waren junge Frauen im knappen Bikini, Miniröcken und Hot Pants fast gleichgestellt mit "leichten Mädchen". In meiner Jugend waren die Aufreger enge Jeans und Maxi-Röcke. Kirwamoidln wurden oft angesprochen: "Warum host a Dirndl o, wennst koa Holz vor da Hüttn host." Und die pralle Oberweite in einem Dirndl erntet bewundernd-anerkennende Blicke. Später kamen String-Tangas und ebensolche Bikinihöschen ins Gerede, wobei Samba-Tänzerinnen immer eifrig beklatscht wurden.

Heute ist der Aufreger ein Burkini: Trägerinnen dieses Kleidungstückes verhüllen alles, was bisher beanstandet wurde oder als "Blickfang" diente. Wäre schön, wenn man sich die Mühe machen würde, die Mitmenschen nicht nach dem Tragen eines Stoffes zu beurteilen.

Renate Beck, 92224 Amberg
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