Leserbrief
Nicht vorschnell einen Schuldigen suchen

Kein Verbrecher

Zum Zugunglück in Bad Aibling:

Der Fehler liegt im System. Es hat dem Fahrdienstleiter ermöglicht, einen Zug auf die Strecke zu schicken, obwohl in der Gegenrichtung bereits ein anderer Zug unterwegs war. Diesen Umstand sollten die Staatsanwälte bei ihren Ermittlungen in Betracht ziehen. Den Fahrdienstleiter für die Unzulänglichkeit der Sicherheitsbeamten der Bahn verantwortlich zu machen, wäre billig.

Bei eingleisigen Strecken sind eben höhere Gefahrenmomente vorhanden, die man erkennen und entsprechende Maßnahmen durchdenken und planen muss. Ich hoffe, dass man den Fahrdienstleiter nicht wie einen Verbrecher behandelt, er hat sein Los schon gezogen. Lebenslang.

Karl Böhnel, 91249 Weigendorf

Allein die Technik hat versagt

Wieder hat man schnell einen Schuldigen für das Unglück gefunden. In diesem Fall ist es der 39-jährige Fahrdienstleiter, der einen Fehler begangen hat, in meinen Augen jedoch nicht der Verantwortliche für dieses Unglück ist. Technische Sicherheitsvorrichtungen sind in erster Linie dazu da, um menschliches Versagen zu verhindern. Wenn jedoch der Mensch in der Lage ist, die technischen Sicherheitsvorrichtungen zu umgehen, dann stellt sich die Frage, wozu man die technischen Sicherheitsvorrichtungen dann überhaupt braucht. Selbst wenn der Fahrdienstleiter für beide Züge grünes Licht gegeben hat, so hätte das Zug-Beeinflussungssystem PZB 90 reagieren, und beide Züge anhalten müssen! Weiterhin stellt sich die Frage, warum die Nothaltaufträge des Fahrdienstleiters über den digitalen Zugfunk "GSM-R" nicht wirksam waren? Für mich hat hier nicht der Mensch, sprich der Fahrdienstleiter, sondern einzig und allein die Technik versagt! Wie oft wird von den Verantwortlichen menschliches Versagen als Ursache aufgeführt, um sich davor zu drücken, Schadenersatz bzw. Schmerzensgeld an die Opfer und deren Hinterbliebene zu leisten?

Richard Meier, 92706 Luhe-Wildenau

Warnsignale bei der Deutschen Bahn

Züge fahren auf dem gleichen Gleis aufeinander zu. GPS-Technik in den Triebwägen würde es möglich machen, eine Kollision zu verhindern. Warum wird diese Technik nicht bei der Bahn eingesetzt? Jetzt werden der Fahrdienstleiter und die Lokführer für den Unfall verantwortlich gemacht. Müssen diese Menschen doch immer wieder Verspätungen der Bahn ausbügeln. Der gescheiterte Börsengang der Deutschen Bahn war das erste Warnsignal, veraltete Technik ist das zweite, die Privatisierung der Dienstleistungen auf der Schiene ist das dritte Warnsignal. Vielleicht sollten unsere Politiker darüber nachdenken, ob man die Bahn wieder komplett verstaatlicht. Dann wäre wieder alles in einer Hand und die Kommunikation würde besser funktionieren. Übrigens: Selbstfahrende Autos werden zurzeit mit GPS-Technik getestet. Das Kraftfahrtbundesamt hat dafür eine Zulassung erteilt. Vielleicht kann auch die Bahn eine Zulassung für GPS bekommen?

Siegmar Unger, 97618 Hollstadt

Unrechtsbewusstsein bei Haderthauer?

Mit Interesse habe ich den Bericht über die Sitzung des Verkehrsausschusses im Landtag zum Bahnunglück bei Bad Aibling gelesen. Dabei ist mir aufgefallen, dass sich ausgerechnet eine Abgeordnete der CSU, Christine Haderthauer, bis "ins Mark erschrocken" zeigt, angesichts der Tatsache, dass eine Fahrlässigkeit diese Katastrophe auslösen konnte. Nach meinem Dafürhalten sollte sich eben jene Abgeordnete und Ex-Ministerin solcher Verlautbarungen enthalten, denn ihr Verhalten in der "Modellauto-Affäre" lässt nicht die Spur eines eventuellen Unrechtsbewusstseins erkennen. Das Ministeramt ist ihr nicht zuletzt deshalb abhanden gekommen.

Es soll auch Zeitgenossen geben, die sich wie Haderthauer ebenfalls bis "ins Mark getroffen" fühlen könnten, wenn ein Dreifachmörder mit der ausdrücklichen Genehmigung ihres Mannes als (zeitweise) "freier Mann" auf Volksfesten sich verlustigen konnte. Sollte das "Böse", welches in so einem Menschen ruht, sich plötzlich bei solchen "hafterleichternden" Maßnahmen plötzlich wieder durchsetzen, könnte es sehr leicht auch zu einer Katastrophe infolge von Fahrlässigkeit kommen. Darüber sollte sich die Abgeordnete Haderthauer Gedanken machen.

Horst Maschke, 92637 Weiden
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