Leserbrief
Paragrafen lösen Probleme nicht

"Was Lehrer nicht dürfen":

Man möchte kaum seinen Augen trauen, aber es gibt tatsächlich ein Buch zum Thema "Was Lehrer nicht dürfen". Eigentlich sollte der heiß begehrte, juristisch untermauerte Ratgeber sich mit Dingen beschäftigen, die Schüler nicht tun sollten! Doch das scheint heute komplett obsolet.

Ich plädiere hier nicht für eine Schule wie vor Jahrzehnten, wo drakonische Strafen erlaubt waren. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass auch der Lehrer bestimmte Rechte genießt, beispielsweise das Recht auf körperliche Unversehrtheit (Bei einem Lärmpegel von 90 Dezibel kann man ohne Übertreibung von Körperverletzung sprechen). Schule sollte eigentlich ein Ort von gegenseitigem Respekt und einer angenehmen Atmosphäre sein. Die Reduktion auf Paragrafen im Strafgesetzbuch lässt jedoch jegliche menschliche Beziehungen erkalten. Die Vernunft und ein konstruktives Miteinander bleiben so auf der Strecke. Muss die Frage "darf mich mein Lehrer anschreien?" wirklich bis ins letzte Detail juristisch geklärt werden? Wäre es nicht besser, sich so zu verhalten, dass Geschrei, von welcher Seite auch immer, gar nicht entsteht? Dafür entwickelt der Jurist wenig Gespür. Ihm geht es darum, dass die Schüler alle ihre Rechte bestens kennen. Das ist nicht die Lösung für die vielfältigen Probleme unserer Kinder und Jugendlichen, da bin ich mir nach mehr als zwanzig Jahren im Schuldienst sehr sicher.

Karl-Heinz Reinhardt, 92526 Oberviechtach
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