Leserbrief
Staatliche Rente: „Beveridge statt Bismarck“

Zum Rentensystem:

Es mutet an wie ein Treppenwitz der Geschichte: Die deutliche Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus und die Einführung der kapitalgedeckten privaten Altersversorgung wurden vor 15 Jahren von einer Partei beschlossen, die früher einmal für die Arbeitnehmer und die kleinen Leute stand. Die damalige SPD-geführte Bundesregierung hat die gesetzliche Rentenversicherung auf dem Altar des Neoliberalismus geopfert. Und die darauffolgende CDU-geführte Regierung hat nichts unternommen, um diesen Fehler zu korrigieren.

In Europa stehen sich zwei verschiedene staatliche Rentensysteme gegenüber: Zum einen das System "Bismarck", das von Staaten wie Deutschland, Belgien, Frankreich und Spanien präferiert wird. Vereinfacht ausgedrückt richtet sich die Höhe der Rente hier grundsätzlich nach den entrichteten Beiträgen (Umlagesystem). Dem gegenüber steht das System "Beveridge" (in allen skandinavischen Ländern und in den Niederlanden). Kern dieses Modells ist eine staatliche Absicherung für alle finanziell bedürftigen Menschen, also eine Art Grundeinkommen in existenzsichernder Höhe. Dabei wird die Basisrente prinzipiell um eine verpflichtende Betriebsrente als zweite Säule ergänzt, um den Lebensstandard im Wesentlichen zu erhalten. Laut der Studie "Beveridge statt Bismarck" haben sich die Beveridge-Staaten als solider erwiesen. Dies gilt vor allem bei der Vermeidung von Altersarmut und der Finanzierbarkeit. Den Beveridge-Prinzipien folgend, sollte auch in Deutschland eine Basisrente sowie eine verpflichtende Betriebsrente eingeführt werden.

Gleichwohl möchte ich einer allgemeinen Gleichmacherei nicht das Wort reden. Berufliche Leistung und Übernahme von Verantwortung muss sich auch finanziell in einem vernünftigen Maße auswirken. Es benötigt kluge Ideen sowie mutige, verantwortungsvolle und von mächtigen Lobbyverbänden nicht beeinflussbare Politiker, um die soziale Gerechtigkeit nachhaltig zu bewahren.

Alfred Kastner, 92637 Weiden
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