Leserbrief
Umverteilung von oben nach unten

Zur "Armuts-Schere":

In Deutschland findet eine enorme Umverteilung von unten nach oben statt, die man deutlich an den offiziellen Statistiken zum Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung ablesen kann. Es ist ein Skandal, dass die reichsten 10 Prozent der Bevölkerung 51,9 Prozent des Nettovermögen angehäuft haben, während die Hälfte der Bevölkerung zusammen nur 1 Prozent besitzt. Der Anteil der Löhne am Einkommen und am gesellschaftlichen Reichtum nimmt seit längerem ab. Die Lohnquote hat sich zwar etwas erhöht, den langfristigen Abwärtstrend konnten die Lohnerhöhungen aber nicht ausgleichen.

Der Sozialstaat schützt immer weniger vor Armut. Das ist natürlich ein Ergebnis bewusster politischer Entscheidungen und direkte Folge der "Agenda 2010" - einer Politik des Abbaus des Sozialstaates. Insbesondere ist hier die Einführung von Hartz IV als Repressionsinstrument zu nennen, welches gleichzeitig den Druck auf die Löhne erhöhte, da Arbeit nun zu jedem Preis zumutbar wurde. Der Arbeitsmarkt wurde dereguliert und ein stetig wachsender Niedriglohnsektor etabliert. Gleichzeitig wurden Kapital und hohe Vermögen privilegiert, Steuern gesenkt und Kapitalflucht begünstigt.

Vermögende müssen entsprechend ihrer Leistungskraft zur Finanzierung des Gemeinwesens beitragen. Auch sie haben eine soziale Verantwortung und müssen etwas an die Gesellschaft zurückgeben. Eine Abgabe auf große Vermögen ist überfällig. Gleichzeitig muss aber auch der Arbeitsmarkt in Ordnung gebracht werden.

Norbert Scharf, 92245 Kümmersbruck
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