Leserbrief
Vor dem Bürgerentscheid in Schwandorf:"Entartete Agrarindustrie" als Gesundheitsgefahr

Immer mehr werden die kleinen Landwirtschaften durch großindustrielle Produktionsketten verdrängt. Dabei werden die Bauern für kommerzielle Interessen dieser Konzerne missbraucht (im Inland) oder förmlich vertrieben, um ihre Grundstücke zu übernehmen (im Ausland). Fatalerweise steuern diese Lobbyisten auch häufig unsere Politiker. Neben dem Argument "Arbeitsplätze" kommt stets der Satz "Der Verbraucher will ja billige Ware."

Wenn uns flächendeckend Fleisch aus artgerechter Haltung angeboten wird, werden wir das auch vorziehen. Genauso war es ja bei den Eiern: In den Läden werden heute nur noch Eier aus artgerechter Haltung gekauft (Typ 0-2), die Käfig-Eier dagegen können nur noch als Grundstoff für Fertigwaren vermarktet werden. Entsprechend sind uns auch beim Fleisch die weltweiten Preiswettbewerbe egal, sobald wir in Deutschland eine Eigenversorgung mit guter Ware hinbekommen. Nun haben wir beim Bürgerentscheid am 16. September in Schwandorf (dem Landkreis als bayernweiter Spitzenreiter in der Geflügelproduktion) die Chance, ein Zeichen für Vernunft und Anstand zu setzen, indem wir eine weitere "Massenfabrik für Hähnchenfleisch" verhindern. Mit "Bauernhof" oder "Tierhaltung" hat diese Anlage nämlich nichts zu tun. Auch unabhängig von Moral oder Ideologie sind wir gut beraten, landwirtschaftliche Zustände wie in Niedersachsen zu verhindern.

Wir gefährden damit nämlich nicht nur unsere Gesundheit, sondern züchten tödliche Krankheiten: In Anlagen mit 300 000 Tieren, die monatlich geschlachtet werden, werden Antibiotika regelmäßig zur Vorbeugung verfüttert, und zwar nicht irgendwelche, sondern genau jene, die in der Humanmedizin als Heilmittel für schwere Infektionen verwendet werden. Wir leisten uns in Deutschland 1500 Tonnen dieser Arzneimittel pro Jahr für gesunde Tiere (und damit 5 mal so viel wie in der Medizin. In Skandinavien dagegen kommt man fast ohne Antibiotika im Veterinärbereich aus. Wir wissen, dass Antibiotika bei falscher Verwendung resistente Bakterienstämme erzeugen und dann auch beim Menschen nicht mehr wirken. Diese Keime bzw. die Antibiotika werden nicht nur über das Fleisch, sondern auch über Luft, Abwasser und Gülle übertragen und gehen in die Böden und ins Trinkwasser, auf Obst, Gemüse und Getreide über. Im Krankenhaus sind diese "Killerbakterien" gefürchtet und allein das Kriterium "Bauernhof" reicht aus, um als Patient bei der Aufnahme zur Risikogruppe für MRSA zu zählen. Dieses Bakterium befällt nicht nur den Schwerkranken, sondern ist als "regelmäßige" Gefahr für jeden Hüft- oder Kniegelenks-Operierten berühmt geworden.

Umgekehrt ist nachgewiesen, dass in ökologischen Bauernhöfen keine Antibiotika gebraucht werden. Der Landwirt war schon immer ein Schutz für Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier. Im eigenen Verband und im Verbund mit seinen politischen Vertretern sollte er sich gegen die entartete Agrarindustrie wehren.

Dr. Werner Speckner, 92521 Schwarzenfeld
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