Leserbrief
"Wir Verbraucher sind nicht blöd"

"In der Agrarpolitik läuft vieles falsch. Immer mehr werden die kleinen Landwirtschaften durch großindustrielle Produktionsketten verdrängt. Dabei werden die Bauern für kommerzielle Interessen dieser Konzerne missbraucht (im Inland) oder förmlich vertrieben, um ihre Grundstücke zu übernehmen (im Ausland). Fatalerweise steuern diese Lobbyisten auch häufig unsere Politiker und ziehen an immer größeren Strippen (CETA, TTIP). Neben dem Argument "Arbeitsplätze" (was per se schon nicht stimmt, da ja in automatisierten Agrarbetrieben weniger Menschen arbeiten als in richtiger Landwirtschaft) kommt stets der Satz: "Der Verbraucher will ja billige Ware." Wir Verbraucher sind zwar bequem, aber nicht blöd! Wenn uns flächendeckend Fleisch aus artgerechter Haltung angeboten wird, werden wir das auch vorziehen!

Nun haben wir beim Bürgerentscheid am 18. September in Schwandorf (dem Landkreis als bayernweiter Spitzenreiter in der Geflügelproduktion!) die Chance, ein Zeichen für Vernunft und Anstand zu setzen, indem wir eine weitere "Massenfabrik für Hähnchenfleisch" verhindern. Mit "Bauernhof" oder "Tierhaltung" hat diese Anlage nämlich nichts zu tun. Auch unabhängig von Moral oder Ideologie sind wir gut beraten, landwirtschaftliche Zustände wie in Niedersachsen zu verhindern. Wir gefährden damit nämlich nicht nur unsere Gesundheit, sondern züchten tödliche Krankheiten: In Anlagen mit 300 000 Tieren, die monatlich geschlachtet werden, werden Antibiotika regelmäßig zur Vorbeugung verfüttert, und zwar nicht irgendwelche, sondern genau jene, die in der Humanmedizin als Heilmittel für schwere Infektionen verwendet werden.

Seit Jahren gibt es weltweite Strategien und nationale Behördenprogramme zum richtigen Einsatz und somit langfristigen Schutz der Antibiotika in der Medizin. Wir alle wissen, dass Antibiotika bei falscher Verwendung resistente Bakterienstämme erzeugen und dann auch beim Menschen nicht mehr wirken. Diese Keime beziehungsweise die Antibiotika werden nicht nur über das Fleisch, sondern auch über Luft, Abwasser und Gülle übertragen und gehen in die Böden und ins Trinkwasser, auf Obst, Gemüse und Getreide über, so dass niemand davor gefeit ist. Umgekehrt ist nachgewiesen, dass in ökologischen Bauernhöfen keine Antibiotika gebraucht werden. Der Landwirt war schon immer ein Schutz für Umwelt und Gesundheit von Mensch und Tier. Im eigenen Verband und im Verbund mit seinen politischen Vertretern sollte er sich gegen die entartete Agrarindustrie wehren. Wir als Verbraucher werden ihm dabei helfen und es ihm danken!"

Dr. Werner Speckner, Schwarzenfeld
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