Leserbrief
Wo bleibt der Dank an die WAA-Protestbewegung?

"Mit aller Gewalt - Brutal am Bauzaun":

Der Wirkstoff der Chemokeule ist Chloracetophenon (CN), das als "Weißkreuz"-Gift 1925 im Genfer Gaskriegs-Protokoll und 1969, ebenso wie CS, von den Vereinten Nationen international geächtet wurde. Wer meint, seine Bürger mit Giftgas besprühen zu müssen bzw. zu können, hat wohl etwas falsch gemacht.

Die Opfer dieses unglaublichen Fehlers waren sowohl Demonstranten als auch Polizisten. Wer seine Bürger in menschenverachtender Art und Weise über Monate mit Giftgas daran hindern wollte, zivilen Widerstand zu leisten, wer aus einem Helikopter Reizgaspatronen auf eine bis dahin gewaltlose Menschenansammlung - darunter Frauen und Kinder - warf, erntete an Pfingsten 1986 den Zorn der in die Enge getriebenen Menschen. Die Wackersdorfer Protestbewegung ließ sich durch solche Gewaltprovokationen nicht entzweien, und das machte sie stark.

Der im Artikel zitierte Ausspruch von Innenminister Hillermeier "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um" ist bezeichnend für die Respektlosigkeit, Arroganz und Rücksichtslosigkeit, mit der die Bayerische Staatsregierung, im Artikel als "Ein-Mann-Demokratur" zitiert, dieses Waahnsinnsprojekt WAA in der Oberpfalz durchdrücken wollte.

Man war sich so sicher, diesem Volk nahe der Grenze mit der höchsten Arbeitslosenrate das zumuten zu können, was woanders einfach politisch nicht durchsetzbar war. Der niedersächsische Ministerpräsident Albrecht kapitulierte vor dem Widerstand im Wendland, Bayerns Ministerpräsident Strauß half aus mit der Parole, wenn die WAA nicht hier in der Oberpfalz gebaut werden könne, dann ginge das nirgendwo. Keiner wurde gefragt. Es wurde zugemutet, über die Köpfe des Volks, der eigenen Wähler und Parteimitglieder hinweg von der in absoluter Mehrheit regierenden CSU aufgedrückt. Lüge, Medien-Beeinflussung, Beschimpfung und die Einschränkung der demokratischen Grundrechte waren an der Tagesordnung.

Ein Riss ging durch die Gesellschaft, ein "Dafür" oder "Dagegen" war in der Öffentlichkeit bis in die Familien hinein die Frage. Die Oberpfälzer zahlten einen hohen Preis für dieses aufgezwungene Projekt, das dann bekanntlich von der Atomwirtschaft aufgegeben wurde.

Ohne den Protest der Bevölkerung wäre die WAA ohne Probleme gebaut worden, wir hätten sie jetzt, und wir würden sie verwünschen. Die Oberpfalz sähe heute anders aus. Die jetzige CSU-Regierung erbost sich, weil sie nicht gefragt wurde, ob der hochradioaktive atomare Müll, der stattdessen in Frankreich und England wiederaufbereiteten deutschen Brennstäbe, den wir vertragsgemäß jetzt zurücknehmen müssen, in Bayern eingelagert werden kann.

Wie wäre es, wenn man sich einmal beim Volk dafür entschuldigen würde, was man (die CSU-Politik) ihm mit dem WAA-Projekt angetan hat? Wie wäre es, wenn man der WAA-Protestbewegung mal dafür danken würde, dass sie sich für die Abkehr von der Wahnsinns-Idee Wiederaufarbeitung von abgebrannten Reaktorbrennstäben eingesetzt hat?

Hilde Lindner-Hausner, Vorstandsmitglied der BI gegen die Errichtung einer atomaren Wiederauf bereitungsanlage, 92637 Weiden
Weitere Beiträge zu den Themen: WAA (18)Leserbriefe (393)Atomausstieg (14)
2 Kommentare
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Maria Estl aus Pullenreuth | 30.05.2016 | 11:39  
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Tho mas aus Weiden in der Oberpfalz | 30.05.2016 | 11:43  
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