Leserbrief zu Kindern mit Verhaltensstörungen
Die Familie wird systematisch kaputt gemacht

"Hilfe für Zappelphilipp":

Ein Viertel aller Kinder und Jugendlichen in Bayern hat mit psychischen Schwierigkeiten und Entwicklungsstörungen zu kämpfen. Zwischen 7 und 14 Jahren gewinnen Verhaltens- und emotionale Störungen an Bedeutung. Ausdrücklich begrüße ich, dass die Hilfen für die betroffenen Kinder und Eltern nun ausgebaut werden, aber es drängt sich die Frage auf: Warum leiden so viele Kinder an ADHS und an Depressionen? Warum sind gerade unsere Kinder so krank?

Dr. Christian Rexroth, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Regensburg, sagt: "Die emotionale Entwicklung eines Menschen fußt auf gelungenen ersten drei Lebensjahren." Doch wie sehen die ersten drei Lebensjahre eines Kindes in der Realität häufig aus? Beide Eltern arbeiten, oftmals Vollzeit. Ihr Kind wird fremdbetreut. Es findet immer weniger Betreuung innerhalb der Familie statt. Es bleibt fast keine Zeit für gemeinsame Mahlzeiten, Beschäftigungen mit dem Kind oder wichtigen Erfahrungen in einer vertrauten Umgebung. Die Eltern sind gestresst zwischen der Doppelbelastung aus Job und Familie. Ein Kind zu erziehen, ihm Wurzeln und einen Ort der Geborgenheit in der Familie zu vermitteln, ist anstrengend, es kostet viel Kraft und Nerven. Einige Parteien sehen dies ja als "moderne Familienplanung" an und loben die so bejubelte "Vereinbarkeit von Beruf und Familie".

Ich frage: Auf wessen Kosten? Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren keine frühkindliche Bildung, sie brauchen Bindung! Doch den Eltern wird suggeriert, sie würden ihren Kindern wichtige Bildung vorenthalten, wenn sie sie nicht direkt ab Geburt gleich in die Fremdbetreuung geben. Schließlich seien sie dort besser aufgehoben als bei der eigenen Familie. Und die Wirtschaft freut sich, dass die Familie sich deren Interessen vollständig unterworfen hat und Mama und Papa schnell wieder nach dem Kinderkriegen der Marktwirtschaft zur Verfügung stehen. Es ist ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft, uns Eltern, die sich dazu entscheiden, ihre Kinder in den ersten Lebensjahren selbst zu betreuen, als "rückschrittlich, dumm und nach einem veralteten Rollenbild lebend" diskreditiert werden. Wir machen systematisch die Familien kaputt und wundern uns später über die negativen Auswüchse davon.

Wie sagte der Schweizer Theologe Alexandre Vinet schon: "Das Schicksal des Staates hängt vom Zustand der Familie ab."

Juliane Ried, 92526 Oberviechtach
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