Leserbrief zu Preiserhöhung
Strompreis elektrisiert

Neue Stromtrassen frühestens 2025

"Bayernwerk: Strom wird deutlich teurer":

Diese Meldung kann nicht ohne Widerspruch bleiben. Als Grund für die Teuerung im nächsten Jahr heißt es lapidar: "Es fehlen Stromtrassen in den Süden." Es soll (wie schon so oft) suggeriert werden, die neuen Stromtrassen von Nord nach Süd sind alternativlos; weil diese fehlen, wird für die Verbraucher der Strom teurer.

Tatsache ist, dass die Investitionen für die geplanten Gleichstrom-Trassen siebenmal so hoch sind wie die Investitionen für Windparks im Norden, um die von diesen erzeugte Maximalleistung nach Süden zu bringen. Der Transport des Stroms von Nord nach Süd über die neuen Gleichstrom-Trassen wird den Strom erst richtig teuer machen. Die Kosten des Südostlinks mit 2 Gigawatt Transportleistung beziffert Tennet auf 4 bis 5 Milliarden Euro. Über diese Trasse kann Strom von maximal 400 Windrädern mit je 5 Megawatt Leistung transportiert werden. Kosten von 400 Windrädern in Mitteldeutschland (Nordende der Trasse): etwa 0,7 Milliarden Euro. )

Worum geht es wirklich? Im Norden müssen immer wieder Windparks trotz gesetzlich garantierter Vorrang-Einspeisung kurzfristig abgeschaltet werden, weil im Norden zu viel Strom produziert wird, und die dortigen Braunkohlekraftwerke nicht so schnell abgeregelt werden können. Diese Netzsteuerung, die sich der Netzbetreiber Tennet mit einer Erhöhung des Netzentgeltes von 80 Prozent vergolden lässt, wird mit den Stromquellen aus Wind und Sonne verstärkt nötig. Diese Stromquellen können im Vergleich zu herkömmlichen Kraftwerken keine kontinuierliche Leistung anbieten. Sie verursachen immer wieder Über- und Unterkapazitäten. Hier fehlen vor allem dringend benötigte Stromspeicher.

Der Aufwand an Netzsteuerung ist nicht dem Fehlen von Trassen geschuldet, sondern dem unkontrollierten Aufbau von Windrädern im Norden, der Unbeständigkeit von Wind und Sonne und vor allem dem Festhalten an unflexiblen und umweltschädlichen Braunkohlekraftwerken. Der Süden leidet bisher und auch nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke im Jahr 2022 sicher nicht an Strommangel. Die bestehenden Trassen reichen bei intelligenter Netzsteuerung völlig aus. Die neuen Gleichstrom-Trassen kommen, wenn sie je gebaut werden, nach Informationen der Netzbetreiber sowieso frühestens im Jahr 2025.

Peter Schwarzmeier, 92711 Parkstein
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