Leserbrief zum Amoklauf in München
Früh Ursache erkennen

Gesellschaftliche Verantwortung

Drama in München:

Nach dem Amoklauf von München setzt, wie nach Erfurt oder Winnenden, die politische Diskussion ein, wie sich solche Taten in Zukunft verhindern lassen. Es wird auch dieses Mal nicht viel dabei herauskommen, weil man es versäumt, beim eigentlichen Kern des Problems anzusetzen.

Der junge Mann, der ganz München in Ausnahmezustand versetzte, ist ein Münchener Kind. Was veranlasst einen Menschen, der nach den Darstellungen seines Umfelds als ruhig, zurückhaltend und angenehm beschrieben wird, zu einer derartigen Bluttat? Ich bin entsetzt darüber, wie einfach es ist, sich über das sogenannte "darknet" illegal Schusswaffen zu besorgen. Mir wird übel bei dem Gedanken, wie viele Leute sich auf diese Weise mit Waffen eingedeckt haben könnten. Parallelen zu früheren Amokläufern sind unverkennbar, wo die jugendlichen Täter sich von der Schülergemeinschaft ausgegrenzt fühlten. Hier sollte die Ursachenforschung beginnen.

Mobbing in der Schule hat sich wie ein Virus verbreitet. Die Zahl der Kinder, die oft nur wegen Kleinigkeiten oder weil sie sich eher introvertiert verhalten, gemobbt und ausgegrenzt werden, steigt seit Jahren kontinuierlich an. Mobbing ist mittlerweile ein gesellschaftliches Problem, das gerade bei Kindern und Jugendlichen schlimme Auswirkungen zeigt. Dabei wird natürlich nicht jedes Mobbingopfer zum Amokläufer. Aber es reichen bereits einige wenige. In jeder Schul- bzw. Klassengemeinschaft gibt es Schüler, die eine hohe soziale Kompetenz auszeichnet. Warum überträgt man ihnen nicht eine wichtige Aufgabe, indem man sie, natürlich unter professioneller Begleitung von Schulpsychologen, zu einer Art "Hüter über die soziale Gemeinschaft" macht"? Sie sind die ersten, die registrieren, wenn sich Mitschüler auffällig verhalten. Man könnte bereits in einem frühen Stadium das Gespräch mit den Betroffenen suchen und Hilfe anbieten.

Natürlich müsste der Staat für diese Aufgabe auch Geld in die Hand nehmen. Da es kein länderspezifisches Problem darstellt, sehe ich finanziell den Bund gefordert. Jeder Euro, der in den gesellschaftlichen Zusammenhalt investiert wird, wirft die nachhaltigste Rendite ab.

Alfred Kastner, 92637 Weiden
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