Leserbrief zur Leitkultur-Debatte
Nationen vergehen

Nicht christlich und sozial

Zur von CSU und der CDU-Sachsen initiierten Leitkultur-Debatte:

Was verstehen diese Parteien darunter? Haben sie die Wahlerfolge der AfD aufgescheucht, so dass sie glauben, reagieren zu müssen? Ist es etwa unsere Leitkultur, wenn von Deutschen Kinder, weil sie schreien, an die Wand geworfen werden? Wenn Multimillionäre sich an der Steuer vorbeimogeln? Wenn Flüchtlingsunterkünfte mit Nazi-Symbolen beschmiert oder angezündet werden und die Täter (Deutsche) sich brüsten, es "dem Pack" gezeigt zu haben? Wenn dunkelhäutige Menschen verprügelt werden?

Dabei sollte man sich auch eines EU-Kommissars (CDU) erinnern, welcher haarscharf am "astreinen Oxford-Englisch" vorbeischrammte. Bezeichnenderweise kann man also ohne ausreichende Sprachkenntnisse EU-Spitzenämter erlangen, während man von Fremden sie ganz selbstverständlich erwartet. Auch die Aussage des CSU-Generalsekretärs Scheuer zum fußballspielenden, ministrierenden Senegalesen sind rassistisch - beinhalten sie doch den Wunsch nach einem möglichst raschen Rausschmiss aus Deutschland. Christlich, aber auch sozial ist das sicherlich nicht. Die CSU-Grundsatzkommission mit ihrem Sprecher Blume sollte sich weniger Sorge um die Ängste und Befürchtungen der Menschen machen, sondern über ihre eigenen Meinungsbilder.

Horst Maschke, 92637 Weiden

Stolz, ein Gutmensch sein zu dürfen

Maßgabe und Richtschnur der Leitkultur einer christlichen Partei, eines Landes mit christlichen Wurzeln und des "christlichen Abendlandes", sollten noch immer die Zehn Gebote sein, oder für Atheisten der Kant'sche kategorische Imperativ, der sich auf den kurzen Nenner bringen lässt: "Was Du nicht willst, das man Dir tut, das füg' auch keinem andern zu". Wer sich an diesen einfachen Satz hält, der zündet eben keine Asylunterkünfte an, der hetzt nicht gegen andere, der greift keine Asylanten oder deren Unterstützer körperlich an und der wird alle Hilfesuchenden freundlich aufnehmen.

Wer sich an diesen Satz hält, der wird nicht sich selbst oder seine Nation für besser, überlegener halten und der braucht keine Fahnen oder Hymnen, zu denen er aufschauen kann. Völker und Nationen sind immer vergangen, auch deren Symbole, Flaggen und Lieder. Das "Tausendjährige Reich" hat es nicht länger als zwölf Jahre ausgehalten. Was bleibt ist der Mensch, und der Satz von Jesus Christus "was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan". In diesem Sinne kann jeder stolz sein, wenn er es schafft, als Gutmensch beschimpft zu werden.

Dr. Thomas Bäumler, 92660 Neustadt
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