Leserbriefe zum Brexit-Votum
Längste Friedensperiode

Nie wieder Hass und Feindschaft

Zu Europa und Brexit:

Die aktuellen Herausforderungen verlangen eine Rückbesinnung auf die europäische Geschichte, in der sich die Nationalstaaten über Jahrhunderte kriegerisch zerfleischten und Tod, Not und Verderben über die Menschen gebracht haben. Jedem Menschen und insbesondere jedem aufgeklärten Europäer sollte bewusst sein: Nie wieder Krieg! Nie wieder Abschottung durch sinnlose Mauern und Grenzen. Nie wieder Hass, Feindschaft und Streit zwischen den Völkern Europas. Es sind dies Werte, die christliche Wurzeln haben und in deren Mitte die Würde des Menschen steht, die er von Gott bekommen hat.

Der Brexit und das Schüren von Empörung, Wut und Hass der Ewig-Gestrigen kann die Einigung Europas zwar verzögern, aber nicht aufhalten. Denn die Menschen verwandelnde und die Geschichte gestaltende Kraft Gottes wird auf neue Art gegenwärtig. Der 2016 mit dem Karlspreis ausgezeichnete Papst Franziskus hat den Europäern deutlich gesagt, was zu tun ist! Europa, das in der Vergangenheit eine Aufklärung oft mit antireligiöser Tendenz hervorgebracht hat, muss nun seine Kräfte der Vernunft gebündelt in den Dienst der Menschen stellen. Es muss sich der Wirkung des Geistes der Liebe öffnen.

Willi Pröls, 95652 Waldsassen

Das britische Volk hat keinesfalls gesprochen

Täglich wird in den Medien so berichtet, als wäre England bereits aus der EU ausgetreten. Es müsste uns bewusst sein, dass kein Referendum bindend ist. Nur das Parlament kann den Austritt beschließen, das Referendum ist nichts anders als eine Bewertung der Meinung des Volkes. Das Parlament kann und darf selbstverständlich den Ausgang des Referendums ignorieren und im Falle Englands durchaus in der EU bleiben. Ebenfalls werden wir immer wieder mit der Behauptung "Das Volk hat gesprochen" konfrontiert. Bei einer derart dünnen Mehrheit (knapp über 50 Prozent) ist eine solche Behauptung absurd, denn 48,7 Prozent der Britten haben sich gegen den Austritt gestellt. Und wenn wir auch noch die große Zahl der Nichtwähler berücksichtigen, sehen wir deutlich, dass man auf keinen Fall sagen darf "Das Volk hat gesprochen".

Ein Referendum ist immer eine ambivalente Angelegenheit, besonders wenn es sich um hochkomplizierte Vorhaben handelt. Im konkreten Fall Englands, aber auch in vielen anderen EU-Länder habe ich den Eindruck, dass wahrscheinlich die Mehrheit des Volkes bei den Überlegungen, aus der EU auszutreten, völlig außer Acht lässt, was die EU geschichtlich bedeutet. Ich sehe in der EU den ernstgemeinten Versuch, aus dem vielschichtigen Konglomerat verschiedener europäischen Nationen eine übergeordnete Einheit ins Leben zu rufen: Eine Einheit, die nur aus über Jahrhunderte gewachsenen kulturellen Gemeinsamkeiten gestaltet werden kann. Einige dieser Gemeinsamkeiten sind die bald 2000 währende Zugehörigkeit zum Christentum, und das Bewusstsein, dass Europa ein Kind des Hellenismus und des römischen Imperiums ist.

Ich hoffe, dass die englische Regierung anders entscheidet, als dies nach dem Referendum erwartet wird. England gehört in die EU!

José Agüeras, 95698 Neualbenreuth

Die Nazi-Keule beiseite legen

Diejenigen, die für den Brexit gestimmt haben - ja, eigentlich alle, die ein Problem mit der EU haben - sind dumpf, alte Säcke und glauben an einfache Lösungen für komplexe Probleme. Außerdem sind sie antidemokratisch, weil sie in einem demokratischen Referendum abgestimmt haben. Könnte es nicht sein, dass die bejammerte "Spaltung" unserer und auch der britischen Gesellschaft daher rührt, dass Teile der Bevölkerung, gerade von Journalisten, ständig die oben genannten Etiketten um die Ohren gehauen bekommen? Oder daher, dass die EU-Kommission die nationalen Parlamente nicht an der Entscheidung über das Freihandelsabkommen mit Kanada (Ceta) beteiligen möchte, was so kurz nach dem Brexit-Schock unfassbar abgehoben anmutet. Dazu betrachten sich die oben genannten Kreise immer als Hüter der Demokratie. Nur gilt dieses Demokratieverständnis anscheinend nur, so lange alle derselben Meinung sind. Alles Andere ist ja, wie gesagt, dumpf und gestrig.

Ein NT/AZ-Kommentar ("Entzauberung der EU-Feinde") beklagt Nazi-Vergleiche, derer sich die Brexit-Befürworter bedient haben. Ich möchte darauf hinweisen, dass der Ukip-Politiker Nigel Farrage nunmehr im europäischen Parlament beschuldigt wurde, das Referendum mit "Nazi-Propaganda" gewonnen zu haben. Es scheint, dass sich die Nazi-Vergleiche nicht auf eine Seite beschränken. Meiner Meinung nach sollte die Nazi-Keule generell beiseite gelegt werden. Ihr inflationärer Gebrauch von allen Seiten wird langsam peinlich.

Lorenz Reichenberger 92648 Vohenstrauß
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