Letzte Chance
Nochmals Bewährung für Crystal-Süchtigen

Die Alternative zu vier Jahren Haft: Erst Drogenentzug. Dann auf Bewährung raus. Einem 24-jährigen Verurteilten riet Landgerichtspräsident Walter Leupold am Donnerstag "dringendst", die Chance zu nutzen. Sonst sei dieser "bald eine von vielen Randnotizen in der Zeitung": "Wieder ein Drogentoter".

Den guten Willen, "von dem Zeug wegzukommen", anerkannten die Richter der 1. großen Strafkammer. Leupold und Dr. Marco Heß schickten gemäß der Empfehlung von Dr. Bruno Rieder einen 24-Jährigen zum zweijährigen Drogenentzug. Vier Jahre Freiheitsstrafe hatten sie für seine Rauschgiftgeschäfte ausgesprochen. Aber, wenn er die Therapie durchhält, kann der Mann danach auf Bewährung entlassen werden.

Von Mitte 2013 bis zu seiner Festnahme hatte der Ledige etwa 20 mal jeweils 15 bis 20 Gramm Crystal auf einem Asia-Markt nahe Katerina (Tschechien) gekauft. Im östlichen Landkreis Neustadt und im nördlichen Landkreis Schwandorf verkaufte er den Löwenanteil mit erheblichem Gewinn. Einen Teil verkonsumierte er zusammen mit seiner Freundin, die zu Beginn erst 15 Jahre alt war, und weiteren Bekannten.

Am 2. April 2015 fasste ihn die tschechische Polizei, als er nach einem Drogenkauf mit drei Päckchen à fünf Gramm über Waidhaus ausreisen wollte. Nach einer Woche U-Haft verurteilte das Bezirksgericht Tachau den gebürtigen Weidener wegen der versuchten Ausfuhr von Pervetin zu zwölf Monaten auf Bewährung, 50 000 Kronen Geldstrafe und einem dreijährigen Einreiseverbot.

Inzwischen hatte aber der deutsche Zoll bereits seine Wohnung durchsucht und dort Rauschgift-Utensilien, einen bekannten Konsumenten und die damals 17-jährige Freundin aufgefunden. In der Folge sagte sie umfangreich aus. Auch, dass sie vom Beschuldigten seit Dezember 2013 Hunderte von "Lines" bekommen hatte. Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl klagte den vorher nicht Vorbestraften auch der besonders strafbaren Abgabe an Minderjährige an. Allerdings war die mittlerweile 18-Jährige schon vorher drogenerfahren. Härtl, Gericht und Verteidiger Tobias Konze einigten sich schließlich auf vier Jahre Haft.

Crystal bei Spinnen und MenschenLandgerichtspräsident Walter Leupold warnte im gut besetzten Gerichtssaal erneut vor der Gefährlichkeit der Droge "Crystal".

Wissenschaftliche Versuche mit Spinnen hätten ergeben, dass diese unter Einfluss von Methamphetamin ihre Netze erheblich schneller bauen würden. Allerdings wiesen die Spinnennetze dann große Löcher auf, so dass sie zum Fangen von Beute untauglich seien. Beim Ausfüllen von Fragebogen durch Menschen zeige sich Ähnliches. Crystal-Konsumenten seien viel schneller fertig, aber sie hätten dabei eine Fehlerquote wie Demenzkranke. Man fühle sich nach der Einahme der Droge also nur unheimlich leistungsfähiger. In Wirklichkeit sei man es mitnichten. (rns)
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