Liedermacher Manfred Maurenbrecher brilliert bei "Klein & Kunst" in Weiden
Poetische Dynamik und lyrische Wucht

Manfred Maurenbrecher, ein Geschichten-Erzähler voller Kraft und Elegie, gastierte in Weiden. Bild: stg
 
Manfred Maurenbrecher begeisterte das Weidener Publikum. Bild: stg

Nachdenklich, direkt, unangepasst: So präsentiert sich Manfred Maurenbrecher bei der "Klein & Kunst"-Reihe. Als Liedermacher, von denen es heute leider viel zu wenige gibt.

Er schaut gerne ins Jahr 1988 zurück, gerade in diesen Tagen: Im ICC in Berlin tritt Leonard Cohen auf und Manfred Maurenbrecher verfolgt nicht nur das Konzert. Zuvor trifft er Cohen in dessen Garderobe, sie trinken gemeinsam Rotwein und plaudern 20 Minuten lang. "Viele Lieder wären ohne Cohen nicht entstanden", erzählt der Liedermacher am Donnerstagabend im Untergeschoß der Max-Reger-Halle. Er gastiert in der "Klein & Kunst"-Reihe und fügt der Konzertserie damit eine neue musikalische Perle hinzu. Cohen ist vor wenigen Wochen gestorben, Maurenbrecher steht mit seinen 66 Jahren voll im Saft. "Rotes Tuch" nennt er sein Programm, mit dem er unterwegs ist. So heißt auch der Cohen-esque Song aus dem Jahr 1988: "Komm und lies mich wie ein aufgeschlagenes Buch, trag mich wie ein rotes Tuch. Komm, wir tanzen, tanzen für den Stier - deshalb sind wir hier."

Klassischer Liedermacher


Poetische Dynamik und lyrische Wucht durchziehen den Abend und verbinden sich zu kraftvollen Texten. Vorgetragen mit einer unverwechselbaren brummigen Stimme. Ja, Maurenbrecher ist ein klassischer Liedermacher, einer der "guten alten Schule". Einer, der sich nicht verbiegt, einer, der sich nicht anpasst, einer, der sich treu bleibt.

Er scheut sich auch heute nicht, in "Ihr verdient uns nicht" gegen das politische Establishment und die Berufspolitiker anzusingen. "Und wenn ihr so richtig blöde werdet, so richtig seehofermäßig, dann doch nur, weil wir die Wahrheit nicht ertragen, weil wir in keiner Chaoswelt leben wollen, sondern in klar geregelten Verhältnissen, mit etwas Süßem im Portemonnaie und im Magen. Mann, wo ihr das doch kaum noch für euch selbst hinkriegt. Sagt doch einfach: Wir suchen uns besser mal ein anderes Volk." Maurenbrecher singt von der Welt, die am Durchdrehen ist, träumt von "Neuen Sozialen Bewegungen", porträtiert musikalisch das Leben in der Künstlerkolonie.

Der Liedermacher erinnert sich an "Avignon", an eine Reise auf dem Autoput quer durch das ehemalige Jugoslawien nach Griechenland ("Schräge Straße, schräger Blick") oder an den Mauerfall. Immer wieder streut Maurenbrecher persönliche Geschichten ein, vom Unbehagen über die neurechten Strömungen, vom Bürokratie-Wahnsinn in seiner Heimatstadt Berlin, vom "Reimen, das besser als Nachdenken ist".

Skurril und schnoddrig


Mitunter wird er auch skurril, komisch und schnoddrig, wenn er über die Vorzüge des Staubsaugers und den sich verselbstständigenden Reinlichkeitswahn schwadroniert: Oder wenn der alt gewordene Ehemann zu Wort kommt, der an Weihnachten darüber sinniert, ob er für seine Ehefrau denn jemals auch einfach nur ein "geiles Teil" war.

Übrigens: Maurenbrecher ist nicht nur ein kraftvoller, dann auch wieder elegischer Geschichten-Erzähler. Auch dem Klavier auf der Bühne fordert er einiges ab und schafft Akkorde, die die Gefühlslage des Sängers widerspiegeln. Und zum Schluss bleibt den Zuhörern die Gewissheit: Einer der ganz großen zeitgenössischen Liedermacher, die Deutschland hat.
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