Maja Thesing arbeitet als Familienhebamme
Bindung im Blick

Als Familienhebamme hilft Maja Thesing Müttern oder auch Eltern, die Unterstützung benötigen. Ihr oberstes Ziel ist es, die Bindung zwischen Mutter und Kind beziehungsweise Vater und Kind zu stärken. Bild: Götz
 

Nein, Maja Thesing ist keine "Erziehungstante", die mit erhobenem Zeigefinger dasteht. Sie arbeitet als Familienhebamme für "Koki - das Netzwerk frühe Kindheit". Als solche kann sie aber - wenn es sein muss - durchaus auch streng sein.

Aufgabe einer Familienhebamme ist die Begleitung und Betreuung von Müttern oder Familien, die besondere Unterstützung benötigen. Seit eineinhalb Jahren ist die 48-Jährige in dieser Funktion für die Koordinierenden Kinderschutzstellen (Kokis) an den Jugendämtern in Weiden und Neustadt tätig - auf Honorarbasis. Denn Maja Thesing ist zugleich freiberufliche Hebamme und kann hier auf langjährige Berufserfahrung zurückblicken. Ein Umstand, der ihr in dieser speziellen Funktion sehr zugutekommt. Ebenso wie ihr Studium der Psychologie, das sie nach dem Examen als Hebamme noch als Möglichkeit zur Weiterbildung genutzt hat.

Zu Ihren Klienten zählen u. a. minderjährige Mütter, Mütter mit Missbrauchserfahrung oder Familien, in denen die Mutter oder auch beide Elternteile psychisch krank sind. Das sind sehr schwierige Problemstellungen. Ist dafür eine besondere Ausbildung nötig?

Maja Thesing: Mehrere Jahre Berufserfahrung sind da schon erforderlich, und es muss bereits der Einstieg in die Weiterbildung erfolgt sein. Mein Psychologie-Studium hat mir hier den früheren Einstieg ermöglicht.

Kann sich jede junge Familie, die Unterstützung benötigt, einfach bei der Koki melden?

Einige tun das. Die Begleitung durch die Familienhebamme setzt aber erst dann an, wenn die Arbeit der regulären Hebamme nicht mehr bezahlt wird. Also circa 8 Wochen nach der Geburt. Zum Teil machen das Jugendamt oder die Schwangerschaftsberatungsstellen darauf aufmerksam, dass in einer Familie erhöhter Betreuungsbedarf besteht. Viele meiner Klienten lerne ich aber schon während der Schwangerschaft kennen, und sie wünschen, dass ich sie weiterhin begleite. Dann besteht natürlich schon ein großes Vertrauensverhältnis.

Können die Betroffenen gezwungen werden, die Hilfe einer Familienhebamme in Anspruch zu nehmen?

Nein. Die Zusammenarbeit ist freiwillig und kann jederzeit von beiden Seiten aufgekündigt werden. Die "Chemie" zwischen den Parteien bestimmt häufig, ob es funktioniert oder nicht. Schließlich gibt es nichts Intimeres, als in die ungeschminkte Welt einer anderen Familie einzutauchen.

Sie helfen beim Haushaltsmanagement genauso wie bei Behördengängen? Was gehört noch zu Ihrem Aufgabenfeld?

Das ist breitgefächert: Wenn nötig, suchen wir beispielsweise nach einer Kurklinik für Mutter und Kind oder nach einem Gynäkologen, der Erfahrungen mit misshandelten Frauen hat. Finanzielle Probleme werden ebenso angepackt wie kulturelle, beispielsweise bei Menschen mit Migrationshintergrund. Nicht nur minderjährige Mütter sind mit der Lebensumstellung durch den Säugling manchmal überfordert. Das kann ungewollt zu Spannungen führen. Wir helfen, das rechtzeitig zu erkennen, bevor die Situation gefährlich werden kann. Auch manche Eltern von kranken, frühgeborenen oder behinderten Kindern benötigen Unterstützung.

Was würden Sie als Ihre Hauptaufgabe bezeichnen?

Ganz klar: Die sichere Bindung zwischen Mutter und Kind zu stärken und zwischen Kind und Vater, wenn er denn in Erscheinung tritt. Ebenso wichtig ist es, das Selbstvertrauen der Mutter zu wecken im Umgang mit dem Kind. Häufig hatten die Mütter selbst keine schöne Kindheit, wurden ständig getadelt. Deshalb arbeite ich viel mit Lob, mit positiver Verstärkung. Mache der Frau klar, dass sie sich auf ihren Instinkt verlassen kann. Ich sage zum Beispiel: Toll, dein Kind ist satt. Es lacht dich an. Das hast du gut gemacht. Zu Hause haben die Frauen häufig nur gehört: Das hast du schlecht gemacht.

Die Betreuung durch die Familienhebammen ist kostenlos. Sie unterliegen der Schweigepflicht und sichern den Betroffenen Vertraulichkeit zu. Stellen Sie selbst auch Bedingungen?

Ich erwarte von meinen Klienten Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, die Einhaltung von Terminen und das Umsetzen von Empfehlungen: zum Beispiel, Steckdosen vor Kindern zu sichern, scharfe Kanten zu entschärfen oder auch, das Katzenklo aus hygienischen Gründen an einem anderen Platz unterzubringen. Letztlich haben wir immer das Kindeswohl im Blick.

Gibt es aktuell besondere Entwicklungen in Ihrer Arbeit?

Die Fälle, in denen Eltern psychisch krank sind, nehmen zu. Außerdem gibt es eine große Gruppe von Müttern, die eine Wochenbettdepression entwickeln und nach der Geburt quasi in eine tiefe Grube stürzen. Wir verschaffen ihnen eine Entlastung zu Hause und möglichst auch eine passende Therapie. Wichtig ist, auch den Angehörigen zu vermitteln, dass es sich um eine Krankheit handelt.

Was sind die Highlights Ihrer Arbeit?

Ich finde es immer wieder schön zu sehen, wie toll die Zusammenarbeit innerhalb des Netzwerkes mit den anderen Experten funktioniert. Jeder einzelne Fall, in dem eine belastende Familiensituation in bessere Bahnen gelenkt werden kann, ist für mich eine glückliche Erfahrung.
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