Malbücher für Erwachsene als Bestseller
Mandalas für Mamas und Papas

Vom Blütentraum bis hin zum Tiger: Bei den Malbüchern für Erwachsene ist für jeden etwas dabei.
 
Nach und nach wird bei den komplexen Mandalas in feinster Kleinarbeit jedes Feld mit Farbe gefüllt. Am Ende entsteht ein buntes Spektakel aus verschiedensten Formen und Mustern. Bilder: Schönberger (2)

Zendoodle, Zentangle, Zendala - wer hier nur Bahnhof versteht, wird beim nächsten Besuch in der Buchhandlung überrascht sein. Hinter den Begriffen steckt ein Trend, der in Amerika und England hohe Wellen schlägt: Malbücher für Erwachsene. Greifen die Weidener genauso begeistert zum Stift?

(prk/spi) Seit einer gefühlten Ewigkeit haben Kinder Spaß an Mandalas. Neu ist jedoch, dass auch Erwachsene die Freude am Ausmalen von filigranen Mustern und Formen entdeckt haben. Egal, ob Blumen, Tiere oder fantastische Motive: Die Bücher gibt es neuerdings in fast jeder Buchhandlung zu kaufen - auch in Weiden.

"Fantastische Tropen"


Eines der bekanntesten Malbücher ist "Mein verzauberter Garten" von Johanna Basford, das derzeit die britische Bestseller-Liste auf Amazon anführt. 1,4 Millionen Exemplare wurden bisher weltweit verkauft. In Weiden schlägt jedoch ein anderer Titel ein: "Fantastische Tropen: Ein Ausmalbuch zum Entspannen" von Millie Marotta ist in der Buchhandlung Rupprecht laut Mitarbeiterin Christiana Schreier das bisher meistverkaufte Buch in dieser Kategorie. Zwei bis drei Malbücher verkaufe die Buchhandlung am Tag. "Das ist eine gute Quote", erklärt die Angestellte. Ende 2015 sei der Trend jedoch noch stärker gewesen.

Allerdings könne das auch an der allgemein erhöhten Nachfrage während der Weihnachtszeit gelegen haben, meint Christiana Schreier. Auch in der Buchhandlung Stangl und Taubald bemerken die Mitarbeiter ein erhöhtes Kaufinteresse bei den Malbüchern. "Vergleichbar mit einem Bestseller ist das aber nicht", meint hier Mitarbeiter Martin Käck.

Auf einigen Seiten im Internet ist zu lesen, dass das Kolorieren der komplexen Blumen- und Fantasiemotive zu Entspannung und Ausgeglichenheit führen könne. Dr. Heribert Fleischmann, Ärztlicher Direktor des Bezirksklinikums Wöllershof, kann das nicht ganz bestätigen. Dass es Malbücher für Erwachsene gibt, wusste er bislang gar nicht. In der Ergotherapie würden solche Malbücher nicht verwendet, man dürfe aber nicht pauschalisieren. "Es kann sein, dass man, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit eingesetzt, damit jemanden aus einem Loch hervorholt", meint Fleischmann. "Für einen depressiven Menschen kann es wichtig sein, überhaupt Farbe in die Hand zu nehmen."

Mandalas könnten hier das Selbstbewusstsein fördern und würden die Patienten nicht überfordern, wie es beispielsweise beim Zeichnen von eigenen Bildern der Fall wäre. "Beim Zeichnen und Ausmalen ist man doppelt gefordert. Manche Menschen sind froh, wenn sie eine Vorlage haben. Wie ein Kind, das eine Vorlage braucht." Das Entscheidende sei, aktiv zu bleiben. "Wenn man das über ein Malbuch macht, tut man was und schaut nicht den hundertsten Krimi", sagt Fleischmann. Das Bezirksklinikum verwendet Mandalas selten und wenn, dann für einen anderen Zweck. "Nicht zum Entspannen, sondern für die Konzentration, die Feinmotorik. Damit man sich strukturiert", erklärt der Ärztliche Direktor.

In den Malbüchern für Erwachsene sieht Wolfgang Herzer, Vorstandsmitglied und Kurator des Kunstvereins in Weiden, "eine nette Geschäftsidee". Er könne den Boom um die Mandalas nachvollziehen. Ausmalen klinge immer nach stumpfsinniger Tätigkeit, aber es seien ästhetische Entscheidungen. "Man fängt an, schaut, was zueinander passt. Wer kann dagegen sein", meint er.

Noch kein Selbstversuch


Eine Problematik sehe er höchstens in der vorgefertigten Form. "Es wird eine bestimmte Ästhetik verkauft, die nicht unbedingt konform geht mit zeitgenössischer Kunst." Dort gehe es nicht um das Ausmalen, sondern um Gedanken, die über das Bild zum Ausdruck kommen. Das sei bei Mandalas nicht möglich. "Offenbar scheint es den Menschen aber etwas zu geben", sagt Herzer. Er selbst hat es noch nicht ausprobiert. "Wer sich wirklich künstlerisch entspannen will, soll die Einrichtungen in Weiden verwenden, statt ein Buch zu kaufen", erklärt er. Dort könne die Freude am Malen besser miteinander geteilt werden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.