Mann schenkt Jugendlichem Crystal - Gericht verhängt sechs Jahre
Vergiftetes Präsent

Symbolbild: dpa

Mit sechs Jahren Freiheitsentzug muss ein 31-Jähriger dafür büßen, dass er mit Methamphetamin und Haschisch dealte. Allerdings kommt der selbst schwer Abhängige nach einem knappen halben Jahr aus dem Gefängnis in eine geschlossene Entzugsklinik. Wenn er die zwei Jahre Therapie erfolgreich durchhält, kann er dann auf Bewährung entlassen werden, wie die 1 große Strafkammer des Landgerichts am Dienstag entschied.

Kunden in Schule suchen


Vergangenes Jahr war die Wohnung des Angeklagten im Kreis Tirschenreuth eine gut frequentierte Anlaufstelle für Crystal- und Hasch-Konsumenten. Hier waren stets größere Mengen Drogen vorrätig. Einer seiner Kunden war ein damals 17-Jähriger, der vorher noch nie etwas mit Rauschgift zu tun gehabt hatte und erst süchtig geworden war, nachdem er es vom Angeklagten gratis bekommen hatte. Mehr noch: Der heute 31-Jährige beauftragte den Jugendlichen, sich in einer Berufsschule nach potenziellen Kunden umzusehen. Das hatte allerdings Folgen.

Ein Klassenkamerad zeigte den 17-Jährigen an. Polizisten holten ihn aus dem Unterricht, durchsuchten die Wohnung bei seinen Eltern und fanden Aufschlussreiches: neben etwas Rauschgift auch ein Handy, auf dem Bilder "szenetypischer Personen und Handlungen" zu sehen waren. Der Jugendliche legte daraufhin eine "Lebensbeichte" ab und nannte zahlreiche andere Konsumenten und Dealer (wir berichteten).

Erschütternd war die Aussage seiner Mutter vor Gericht. Sie sei von der Polizei "völlig überrascht" worden. Obwohl ihr Sohn manchmal schwierig gewesen sei, hätte sie nicht an Rauschgift gedacht. Seither habe sie keinen Kontakt mehr zu ihm, weil er bei seiner Freundin lebe. Dort habe er sich von den Drogen gelöst und sei jetzt völlig "clean", sagte der junge Arbeitslose selbst. Wie er das geschafft habe, fragte Landgerichtspräsident Walter Leupold. Antwort: "Durch eisernen Willen und den Rückhalt durch die Eltern meiner Freundin." Er berichtet, wie er bei dem Angeklagten zum ersten Mal Crystal genommen hatte, wie er Tags darauf schon wieder etwas brauchte und wie zuletzt bereits am Monatsanfang, trotz eines 400-Euro-Jobs, das Geld gleich fort gewesen sei.

Vollständiges Geständnis


Gut beraten durch Rechtsanwalt Dr. Jan Oelbermann (Berlin), legte der 31-Jährige ein volles Geständnis ab. Dies zeige Einsicht und Reue, so Staatsanwalt Rene Doppelbauer und beantragte sechseinhalb Jahre sowie Unterbringung in einer Therapieeinrichtung, wozu Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder geraten hatte. Oelbermann plädierte auf fünfeinhalb Jahre. Leupold, Richter Dr. Marco Heß und die beiden Schöffinnen blieben in der Mitte. Die Verhandlung gegen den Teenager steht noch an. Wegen der Mithilfe bei der Überführung zahlreicher anderer Täter dürfte ihn keine zu harte Strafe erwarten.

Es wird angeboten, du probierst es - und schon geht's nicht mehr ohne.Der Teenager über Crystal
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