Maria Hirsch erklärt im Maria-Seltmann-Haus Oberpfälzer Redewendungen
"Hint haicha wai vorn"

Sprache lebt und verändert sich. Dazu kommt, dass sich der Oberpfälzer Dialekt manchmal schwer ins Hochdeutsche übersetzen lässt, wie Maria Hirsch mit dem Beispiel "Gloiffl" anschaulich präsentierte. Bild: rdo

Kennen Sie die Bedeutung von "Seftl oder Gloiffl"? Sprichwörter und Redewendungen sind Ausdruck der Volksseele und spiegeln in Mundart Gefühle und Lebenserfahrung, Lebensart oder Charaktereigenschaften wieder.

"Hi, meine Damen und Herren, ich finde es krass cool, dass Sie hier heute abhängen und zum chillen her gekommen sind!" Sprache, die nicht mehr verändert werden kann, lebt nicht mehr, sagte Maria Hirsch im Erzählcafé und nahm diesen neudeutschen Ausspruch ihrer Enkel als provokanten Einstieg zum Thema Redewendungen und Sprichwörter. Susanne Meichner vom Maria-Seltmann-Haus dankte der Referentin für die Recherchen und begrüßte zahlreiche Gäste im Saal.

"Viele Redewendungen entstehen mitten aus dem Leben", erläuterte die pensionierte Hauptschullehrerin aus Wernberg. Außergewöhnliche und spontane Situationen veranlassen zu besonderen Diktionen über Charaktere von Personen, übers Wetter, über Sitten und Bräuche. Beispielsweise kennt man in der Oberpfalz die Aussprüche "Renna wöi a G'stutzter", "Der raucht koin Guat'n" oder "Es regnet niat sieben Joahr in oin Weiher" und "Öitz wird's hint' haicha wia vorn", wenn jemand ordentlich übertreibt.

In der Wortwahl ist man dabei nicht zimperlich und man findet manche Derbheiten und Grobheiten bis hin zur Fäkalsprache. Hier kennt man die Redensarten "bloun wöi a Sau" oder "Schauer wöi a o g'stochns Kaiwl" und "Der schnaft wöi a Postgaal", wenn jemand außer Atem kommt.

Nicht "aafs Maal g'falln"


Auch gesellschaftliche Ränge und Stände spiegeln sich in Sprache wider. Dabei finden alle Lebensbereiche Berücksichtigung wie Hochzeit, Geburt, Religion, Erfolg, Misserfolg bis hin zum Sterbebett. Hier fand Maria Hirsch die Redewendungen "Wos da Baua niat kennt, dös frisst er niat", "daher kumma woi da Gockl auf'n Mist", "daher kumma wöi da Graf Koks" und "Wenn der Bettlmann auf's Ross kommt, kann ihn der Teufel nicht mehr derreiten". Eifrig bereicherten die Zuhörer aus eigenem Erfahrungsschatz die Ausführungen nach dem Motto "Mir san a niad aafs Maal g'falln".
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