Maschinenbau Hermann liefert Stahlbau
Weidener Sperre schützt Ostsee-Stadt

Nach dem symbolischen Knopfdruck des Ministers hob sich die Stahlwand aus dem Wasser. Bei ruhigem Wetter ist die Sperre nicht besetzt. Naht eine Sturmflut, werden zwei Mitarbeiter hier Dienst verrichten. Die Hermann GmbH hat den kompletten Stahlbau, die Antriebstechnik und Hydraulik beigesteuert. Das Auftragsvolumen für die Weidener belief sich auf rund 7 Millionen Euro. Bild: Raphael Scheibler, MV-Verlag, Greifswald (hfz)

Umweltminister Till Backhaus drückte den entscheidenden Knopf im Leitwerk: Und schon hob sich aus dem Flussbett der Ryck ein 21 Meter breites und zwölf Meter hohes Drehsegment. Eine Viertelstunde dauert es, dann steht die Fluttür wie eine Wand - und schützt Greifswald vor Sturmhochwasser aus dem Ostsee-Bodden. Warum das in der Oberpfalz interessant ist? Der gigantische Stahlbau dieses Sperrwerks stammt vom Weidener Maschinenbauunternehmen Hermann.

Nach rund fünf Jahren Bauzeit ist das Sperrwerk in Greifswald übergeben worden. Damit geht auch für die Weidener ein Langzeitprojekt zu Ende - "zur absoluten Zufriedenheit der Kunden", wie sich Geschäftsführer Günther Hastaedt und Hans Hermann sowie Jürgen Graßl, Leiter Stahlwasserbau, freuen.

Kernstück des Sperrwerks ist das 110 Tonnen schwere Drehsegment, das unterirdisch in einer Betonschale liegt und dort auf seinen Einsatz wartet. Es wird künftig bei Sturmwarnungen "auftauchen". Gleichzeitig schließen sich an der Seite der Uferpromenade große Stahltore und schotten die Hansestadt vom Greifswalder Botten ab.

Das Sperrwerk schützt die Hansestadt Greifswald vor Hochwasser von bis zu 2,90 Metern. Ohne dieses System wäre rund ein Drittel des Stadtgebiets überflutet. 20 000 Greifswalder werden nun von den Fluten geschützt - zudem das Max-Planck-Institut und die Universitätsklinik.

Das Sturmflutsperrwerk war das größte Küstenschutzprojekt in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2011 arbeiten die Weidener an dem Projekt. Die Teile wurden soweit möglich am Brandweiher gefertigt. 2012 begannen erste Montagearbeiten an der Küste. Im Juli 2014 wurde das Herzstück - das Drehsegment - eingesetzt: 110 Tonnen Stahl, 21 Meter breit - und links und rechts fünf Millimeter Platz. Das NDR hielt dies in einem Fernsehbeitrag fest. Auch bei der Eröffnung war das Medienecho im Norden riesig. Laut Minister Backhaus wurden seit der Wende 400 Millionen Euro in den Küstenschutz gesteckt: "Die Sperre in Greifswald war einer der Meilensteine."

Büro in Hamburg


Das gilt auch für die Maschinenbauer aus Weiden. Das Greifswalder Sperrwerk reiht sich ein in Großprojekte an der Kaiserschleuse Bremerhaven, an der Rugenberger Schleuse in Hamburg und einer Schleusenkammer des Nord-Ostsee-Kanals, für die Hermann die Antriebstechnik liefert. Inzwischen ist das Unternehmen im "Norden" vertreten. Dipl.- Ing. Nils Heienbrock leitet eine Niederlassung in Hamburg.
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