MdB Rupprecht besucht Dolmetscher-Klasse für Arabisch-Deutsch
Voll Hoffnung und Sorgen

"Die schönsten Stunden der Woche" erlebt Berufsschulleiter Josef Weilhammer nach eigenen Worten beim Unterricht mit den angehenden Dolmetschern Arabisch-Deutsch. Beim Besuch von Abgeordnetem Albert Rupprecht (Vierter von links) bedankten sich die Flüchtlinge mehrmals für die Gelegenheit zur Ausbildung. Bild: sbü

Die Dolmetscherausbildung für Arabisch-Deutsch in Weiden ist einmalig in ganz Deutschland. Mit bewundernswertem Eifer sind die Teilnehmer bei der Sache engagiert. Doch ihre ungewisse Zukunft belastet sie sehr.

Seit März absolvieren 13 Asylbewerber an der Fremdsprachenschule der Europaberufsschule die Ausbildung zum Dolmetscher. Bis zum Abschluss wird es noch mindestens dreieinhalb Jahre dauern. Derzeit besuchen die Schüler eine Vorklasse, um auf ein einheitliches Sprachniveau in Deutsch zu kommen. Prominenten Besuch bekamen sie jetzt schon einmal.

CSU-Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht hatte sich für dieses in ganz Deutschland einmalige Modellprojekt eingesetzt. Deshalb traf er sich nun mit einigen Schülern aus der Klasse. Mit dabei waren auch Berufsschulchef Josef Weilhammer und seine Kollegen aus der Schulleitung. Ein wichtiges Ergebnis für die Schüler hatte das Gespräch für die Schüler auf jeden Fall.

Einladung nach Berlin


Rupprecht lud die ganze Klasse zur Besichtigung des Bundestags nach Berlin ein. "Einen besseren Anschauungsunterricht über das politische Gemeinwesen in Deutschland kann es wohl nicht geben", waren sich die Gesprächspartner einig. Um die Eindrücke abzurunden, wäre auch noch eine Einladung in den Bayrischen Landtag zweckmäßig. Doch diese stehe noch aus. Ernster verlief dann allerdings die weitere Unterhaltung. Zunächst ging es um Einzelheiten des Ablaufs der Ausbildung. Schnell stellte sich heraus, dass noch längst nicht alle anstehenden Fragen des vom bayrischen Kultusministerium genehmigten Modellprojekts geklärt sind.

So unter anderem die Sicherung des Lebensunterhalts der Schüler nach Abschluss der als zweite Ausbildungsstufe vorgesehenen Fremdsprachenkorrespondenten-Prüfung. "Bildungsgutscheine dafür kann das Jobcenter nicht mehr ausstellen", erläuterte Weilhammer. Und für BaföG-Leistungen würden wohl auch die Voraussetzungen fehlen. Dennoch bedankte sich Weilhammer beim Jobcenter Weiden-Neustadt für die hervorragende Zusammenarbeit und das gewachsene gemeinsame Netzwerk.

Große Belastung


Etwas Einblick in ihre Psyche gaben dann die aus verschiedenen arabischen Ländern gekommenen Asylbewerber auf die Frage, wie sie sich in Deutschland fühlen. Aus fast allen Antworten kam einerseits das positive Gefühl für Deutschland - teilweise sogar Bewunderung, zum Beispiel für das Grundgesetz - zum Ausdruck. Andererseits waren die großen Sorgen und psychischen Belastungen auch deutlich, weil ihr Aufenthaltsstatus unsicher ist. Die meisten Dolmetscherschüler sind schon länger als ein Jahr in Deutschland. Trotzdem waren Sätze zu hören wie "Ich warte noch immer auf mein Interview" oder "Ich hatte schon drei Interviews, weiß aber kein Ergebnis". Ein anderer sagte: "Vor sechs Monaten hatte ich mein Interview, doch bis heute habe ich noch keine Antwort."

Soweit sie sich dazu äußerten, sagten alle, dass sie sich in Deutschland ihre Zukunft aufbauen wollten. Voller Lob war auch Schulleiter Weilhammer, der selbst bei den Dolmetscherschülern unterrichtet. "Für mich sind die Menschen eine große Bereicherung, ich verbringe mit ihnen die schönsten Stunden in der Woche."
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