Mediziner spricht über "Das schwache Herz"
Motor des Menschen

Was leistet das Herz? Wodurch wird es bedroht? Wie kann man es schützen? Antworten auf diese Fragen gab Chefarzt Professor Dr. Robert Schwinger. Bild: Kunz

Es ist beeindruckend, was das menschliche Herz so leistet. Das veranschaulicht Robert Schwinger bei einem Vortrag. Er belässt es aber nicht dabei. Der Mediziner hat auch Ratschläge, wie die Leistung möglichst lange derart beeindruckend bleiben kann.

Das Herz arbeitet wie ein Motor. "Es schlägt bei einem 70-Jährigen 2,6 Milliarden Mal." Beeindruckend, findet Professor Dr. Robert Schwinger: "Denken Sie mal daran, wie oft Sie zum Ölwechsel müssen. Zum Kardiologen dankenswerter Weise viel, viel seltener."

Schwinger erläuterte das beim Patientenvortrag im Besucher-Café des Klinikums. Es ging um das Thema "Das schwache Herz." Dabei ergab sich noch ein zweites Bild: Sind die Hauptversorger beim Motor Strom, Gas, Diesel oder Benzin, so ist es beim Herz der Sauerstoff. "Sauerstoff ist der Transportgeber für die Muskelarbeit des Herzens." Der Sauerstoff erreiche den Muskel über die Herzkranzgefäße. "Und wenn die verändert und verengt sind, dann bekommt der Muskel zu wenig Sauerstoff."

Gefährliche Verkalkung


Bevor Schwinger ins Detail ging, hatte der Ärztliche Direktor der Kliniken Nordoberpfalz, Dr. Thomas Egginger, den Zuhörern die Bedeutung des Themas erläutert. Auf der Leinwand zeigte Schwinger, Chefarzt der Medizinischen Klinik II, die Herzkranzgefäße, welche die Form eines Lebensbaumes hätten. Und nichts anderes seien.

Die großen Gefäße, so der Mediziner, könnten behandelt werden. Die kleinen, welche dieselben Schwierigkeiten bereiteten, nicht. Eines der Hauptprobleme sei die Entwicklung der Atherosklerose, die Verkalkung der Gefäße. "Diese Gefäßerkrankung kann überall stattfinden: Im Kopf, an den Nieren, an den Beinen, auch am Herzen." Dies sei dann der Hauptauslöser, warum das Herz zu wenig Energie in Form von Sauerstoff bekomme.

Im Grunde behandelte der Vortrag das vergrößerte Herz. "In Deutschland sind davon zwischen 4 und 10 Millionen Menschen betroffen." Die Folge: Herzschwäche und weniger Leistungsfähigkeit des Betroffenen. Die Ursachen seien vielfältig. "In Deutschland sind es zu 90 Prozent eine koronare Herzerkrankung oder Herzklappenerkrankungen oder das vergrößerte Herz selbst." Letzteres führe zu mehr Wandspannung am Herz und sei Grund für viele bösartige Herzrhythmusstörungen.

Der Vortrag war so angelegt, den Patienten klarzumachen, was sie selber gegen die Krankheit tun könnten. "Es geht mir darum, dass die Leute erst gar kein vergrößertes Herz bekommen und dass sie länger leben." Die Krankheit könne jeden treffen und sei einfach ins Leben eingebettet. Prophylaxe: Wenig Zucker, viel bewegen, mindestens zwei Liter Wasser pro Tag und nicht rauchen. Aber auch auf die Blutfette achten. Die sollten nicht zu hoch sein. Sich daran zu halten und gegebenenfalls Fettsenker einzunehmen, seien Dinge, die man selber machen könne. Die andere Variante: "Glück haben und mit den richtigen Genen auf die Welt gekommen zu sein."

Selten auch wieder gesund


Wer bereits betroffen sei, der sollte auf bestimmte Medikamente wie Blutdrucksenker oder eben Bluttfettsenker zurückgreifen. "Man weiß, dass Leute länger leben, die das einnehmen." Jemand mit vergrößertem Herzen könne auch gesund werden. "Aber nur in seltenen Fällen. Wenn man entweder den Herzklappenfehler behandeln kann oder - das betrifft besonders jüngere Patienten - eine Myokarditis (Herzmuskelentzündung) wieder ganz ausgeheilt ist", erklärte Schwinger.

Das Alter, in dem man erkranken könne, sei variabel. Betroffene jüngere Leute, vor allem sportliche und aktive, litten oft an einer Myokarditis. Ansonsten liege das Gefährdungsalter ab dem 45., 50. Lebensjahr.

Denken Sie mal daran, wie oft Sie zum Ölwechsel müssen. Zum Kardiologen dankenswerter Weise viel, viel seltener.Professor Robert Schwinger
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