Medizintechniker treffen sich in Weiden
Prothesen aus dem 3-D-Drucker

3-D-Drucker waren das Thema beim 5. Medizintechnischen Kaminabend der OTH Amberg-Weiden mit den Experten Harry Flint (Mitte) und Andreas Eursch (rechts). Eingeladen hatte Professor Clemens Bulitta. Bild: sbü
 
Technologie-Experten versprechen 3-D-Druckern eine große Zukunft - nicht nur in der Medizintechnik. Dieses Exemplar - vorgestellt in Freising - druckt eine essbare Waffel aus. Auch in der Lebensmittelindustrie könnten die Geräte zum Einsatz kommen. Bild: dpa

Fast jeder, der einen PC besitzt, arbeitet auch mit einem Drucker. Längst können nicht mehr nur Schrift und Bilder ausgedruckt werden, sondern mit speziellen Geräten auch dreidimensionale Objekte. Welche verblüffenden Anwendungen dadurch möglich sind, war an der OTH zu sehen.

Amberg/Weiden. Dass Drucken nicht immer etwas mit Schrift und Bildern zu tun hat, wurde den Zuhörern des 5. Kaminabends Medizintechnik an der OTH in Weiden einprägsam vorgeführt. Thema des Abends waren die sogenannten 3-D-Drucker. Das sind keine Drucker im herkömmlichen Sinne, sondern sie schaffen Produkte in drei Dimensionen, also Gegenstände. Und weil diese Art von Druckertechnik schon sehr weit entwickelt ist, eröffnet sich für Industrie, Dienstleister und Forschung eine neue Welt.

Bauteil aus Schichten


Wie diese aussieht und funktioniert, darüber sprachen zwei Industriemanager in ihrem Vortrag. Harry Flint und Dr.-Ing. Andreas Eursch vom Münchner Elektronik- und Mechatronikentwickler GBN Systems erläuterten Entwicklungen und Einsatzfelder von 3-D-Druckern. "Additive Fertigung" nennen Fachleute dieses Produktionsverfahren. Werkstoffe verschiedenster Art, wie zum Beispiel Kunststoffe, Metalle, Keramik oder Wachs, werden schichtweise zu einem Bauteil zusammengefügt. Das Schichtbauprinzip steht im Gegensatz zu den klassischen Fertigungsverfahren, wie zum Beispiel der Spritzgussfertigung, bei denen oftmals "gefräst, gebohrt und gedreht wird". Mit einem 3-D-Drucker wird es möglich, sehr komplexe Strukturen herzustellen. Auf traditionellem Weg wäre dies oft nur mit hohem Aufwand möglich.

Flint und Dr. Eursch präsentierten zahlreiche Anwendungsbeispiele von 3-D-Druckern. Sie stammten aus den unterschiedlichsten Produktionsbereichen der Industrie. "Ein Getriebe kann man in montiertem Zustand drucken", erläuterte Dr. Eursch. Auch Benzinleitungen für den Airbus würden durch 3-D-Drucker hergestellt. Da die meisten Zuhörer des Vortragsabends sich viel mit Medizintechnik beschäftigen, wählten die Referenten vor allem aus diesem Bereich Beispiele. Ganz oben auf der Liste steht die Anfertigung von Implantaten im Bereich der Zahnmedizin sowie von Prothesen. Als Dr. Eursch dann sogar die im 3-D-Druckverfahren erfolgte Rekonstruktion großer Teile des menschlichen Schädels zeigte, wurde deutlich, welches Leistungspotential in diesem Verfahren steckt.

Frage der Qualität


Auch Ersatzteile für medizinische Geräte, "vor Ort durch das Klinikpersonal", könnten zukünftig vom 3-D-Drucker hergestellt werden, die Vorratshaltung entfällt. Sogar die Herstellung radioaktiver Substanzen für medizinische Anwendungen und Therapien wurde als Beispiel genannt. In der Produktion würde sich dieses Verfahren vor allem bei niedrigen bis mittleren Stückzahlen eignen, "weniger in der Serienfertigung, eher in der Einzelfertigung oder als Ersatz", erklärte Dr. Eursch. Einschränkend hieß es bei der Gesprächsrunde aber auch, dass derzeit "hinter die Qualität der erzeugten Produkte noch ein Fragezeichen gesetzt werden muss".
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