Mein Auto und ich
Was Frauen wirklich attraktiv macht

Gnadenlos unterschätzt: der Sexappeal eines Autos. Bild: gs
Ich mach mir nichts aus Autos. Fahren muss es, ein Radio mit CD-Player sollte es besitzen, ein Gaspedal, das prompt reagiert, sobald ich es mit dem Fuß streichle, und einen Kofferraum, dessen Fassungsvermögen den Samstagseinkauf mickrig aussehen lässt. Ich sitze also am Steuer eines ...? Moment. Wie heißt das eigentlich, womit ich fahre? "Katastrophe", sagt mein Kollege.

Typisch. Er pflegt seinen Wagen besser als ein Gärtner seine Topfpflanzen. Aber zurück zum Wesentlichen: Mein Autohändler nennt meinen Wagen Sportvan. Ich sage schlicht Familienkutsche dazu. Raussaugen müsste ich sie mal wieder. Und durch die Waschanlage kutschieren. Obwohl. So ein bisschen Dreck auf dem Lack macht sexy. Ehrlich. Bis vor ein paar Tagen hätte ich das auch nicht gedacht.

Es war nach der Sitzung des Finanzausschusses im Neuen Rathaus. Einer von vielen Terminen an diesem Redaktionstag. Ich hetzte zurück zum Auto, kramte nach dem Schlüssel. Da stand er neben mir. Dieser durchaus ansprechend aussehende Mann. Ich überlegte schon, nach welchem Weg er mich wohl fragen würde. Stattdessen begann er, mein Auto zu loben. Oder vielmehr meinen Geschmack, mir einen solchen Wagen ausgesucht zu haben.

Er würde so gut zu mir passen: schick, schnittig. Den Rest behalte ich für mich. Das ist zu persönlich. Außerdem konnte ich nicht mehr so gut hinhören. Es war einfach zu komisch. Ich musste lächeln. Breit grinsen. Doch davon unbeirrt fuhr der junge Mann fort, gab richtig Gas, fragte nach meiner Nummer. Die musste ich ihm aber verwehren. An ihm lag's nicht. Er war nett, die Anmache originell. Aber das mit uns hätte auf einer Lüge basiert. Denn das Auto, das so gut zu mir passte, war an diesem Tag nicht die Familienkutsche.

Es war ein Audi in Schwarz-metallic mit Sportheck, ein Turbodiesel, ein Wagen mit Zigaretten im Aschenbecher, Kaugummipackungen auf der Ablage und dekorativen Schlammspuren an der Fahrerseite, die nach Abenteuer aussahen. Es war das Auto meines Chefs.

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Der Genfer Autosalon, eine der wichtigsten Automobil-Fachmessen weltweit, läuft aktuell. Hier präsentieren bis Mitte März Hersteller 120 neue Modelle. Das nahmen einige Redakteure zum Anlass, über ihr Verhältnis zu Autos nachzudenken. Das Ergebnis lesen Sie hier in zwanglosen Wiederholungen.
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