Menschen im Ehrenamt
Selbstverwirklichung durch Seniorenarbeit

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Die Sorgen und Nöte der über 65-Jährigen hat Seniorenbeauftragter Alfons Heidingsfelder fest im Blick. Hier in seinem Büro im Maria-Seltmann-Haus lädt er zu einer Sprechstunde ein, informiert, hört zu. Alles ehrenamtlich. Bild: Bühner
 

In seinem Alter genießen die meisten ihren Ruhestand. Nicht so der ehemalige Leiter eines Seniorenheims, Alfons Heidingsfelder. Er arbeitet als Seniorenbeauftragter der Stadt. Ehrenamtlich. Das erfüllt den 75-Jährigen, aber es fordert ihn auch.

Mit dem Fahrrad fährt Alfons Heidingsfelder zu seinem Büro im Maria-Seltmann-Haus. "In der Innenstadt ist das das beste Verkehrsmittel", meint er. Es ist Dienstag. Heidingsfelders Sprechstunde beginnt gleich.

Jeder hat sein Konzept


"Für die Tätigkeit des Seniorenbeauftragten gibt es kein vorgegebenes Konzept", sagt er. "Als ich vor acht Jahren dieses Ehrenamt übernommen hatte, habe ich zuerst einmal recherchiert, was andere in dieser Funktion so machen." Ein ehemaliger Lehrer setze bestimmt ganz andere Schwerpunkte. Jeder beginne eben dort, wo er sich auskennt. Heidingsfelder kennt sich gut in der öffentlichen Verwaltung und im Heimwesen aus. Schließlich war er als Sozialpädagoge rund die Hälfte seines Arbeitslebens beim Jugendamt der Stadt beschäftigt, war oft mit Scheidungen und anderen Geschehnissen in Familien konfrontiert. Anschließend leitete er gut 20 Jahre das Neustädter Seniorenheim. "Ich weiß, was ältere Menschen brauchen."

Heime sind oft Thema


Es geht ihm vor allem um die vielen persönlichen Anliegen der Senioren, um die er sich kümmert. "Am häufigsten werde ich nach der Heimunterbringung gefragt", sagt Heidingsfelder. Aber Empfehlungen sind von ihm nicht zu hören. Vielmehr rät er: "Schauen Sie sich alles selbst genau an und fragen Sie sich, ob das passt." Generell sieht Heidingsfelder das Thema "Beratung" im Mittelpunkt seiner Tätigkeit. "Da geht es um die verschiedensten Anträge bei Behörden, um die Notfallmappe oder um die Frage, wie man einen Schwerbehindertenausweis bekommt", erzählt er. Auch Hausbesuche seien oft notwendig. Viele Wünsche würden an ihn herangetragen. Angesprochen wird die Absenkung von Bordsteinen, fehlende Ruhebänke oder die Abfahrtszeit der Busse. Manches könne er schon beeinflussen, anderes nicht. "Ich finde jedenfalls immer gutes Gehör bei OB Kurt Seggewiß."

Sehr angenehm empfindet es Heidingsfelder, bei seiner Arbeit vollkommene Freiheit genießen zu dürfen. Für Parteipolitik interessiere er sich nicht. Einen Wunsch an die Politiker hat er dennoch: "Sie könnten sich mehr für meine Arbeit interessieren." Schließlich seien mehr als 20 Prozent der Einwohner über 65 Jahre.

Mehr Interesse von Politik


Deshalb hofft Heidingsfelder auch, dass das neue Seniorenpolitische Gesamtkonzept "nicht in der Schublade verschwindet". Weil die Situation für Senioren sehr unterschiedlich ist, empfiehlt er der Arbeitsgruppe, zur Umsetzung des Konzepts "in die Stadtteile zu gehen und sich dort umzusehen". In jedem Stadtteil solle für Senioren ein unabhängiger Ansprechpartner eingesetzt werden. Heidingsfelder beschreibt auch das umfangreiche Jahresprogramm seiner Veranstaltungen.

Auf die Frage, woraus Heidingsfelder - immerhin Jahrgang 1941 - Kraft und Motivation für dieses Ehrenamt schöpft, meint der Seniorenbeauftragte: "Ich bin schon durch meinen früheren Beruf als Heimleiter darauf ausgerichtet." Das Dankeschön ergebe sich aus der Aufgabenstellung von selbst. Und: "Ich verwirkliche mich in dieser Aufgabe." Allerdings wäre das ohne die Unterstützung seiner Frau Heidi nicht möglich. Auch einen Ausgleich brauche es: Heidingsfelder findet ihn beim Fischen.

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In unserer Serie "Menschen im Ehrenamt" werden exemplarisch für viele ehrenamtliche Helfer einige porträtiert.

Erster Seniorenbeauftragter WeidensSeit dem 1. September 2008 ist Alfons Heidingsfelder als erster Seniorenbeauftragter der Stadt Weiden tätig. Zuletzt hat er in seinem Jahresbericht 2015 eine umfassende Tätigkeitsbeschreibung abgegeben. So hielt er 32 Sprechtage im Maria-Seltmann-Haus ab.

Als Seniorenbeauftragter vertritt er die Interessen älterer Mitbürger bei den verschiedensten Veranstaltungen, unter anderem mit einem Info-Stand auf der Fachmesse "Ü 50" oder bei den "Seniorenpolitischen Werkstattgesprächen" in Regensburg. Heidingsfelder initiierte mehrere Fach- und Gesprächsrunden mit anderen Seniorenbeauftragten der Region und mit Leitern der 52 Weidener Seniorenclubs. Er nimmt an Ausschussberatungen und den Verleihungen der Senioren-Ehrenpreise der Stadt teil. Die Liste, der von ihm organisierten Vorträge, ist lang, zum Beispiel in der Reihe "Alt werden und dann? Lebensqualität erhalten".

Seniorennachmittage, Besichtigungen und Ausflugsfahrten runden seine Tätigkeit ab. (sbü)
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