Merkel & Co. als Sitznachbar
Planspiel Politik

Wer kann schon behaupten, dass Frau Merkel oder der Innenminister in der Schule neben einem saß? Einige Zehntklässler des Elly-Heuss- und des Augustinus-Gymnasiums können das. Beim Planspiel Politik schlüpften sie selbst in die Rollen der Bundestagsabgeordneten. Bild: Götz

Politik ist langweilig, anstrengend und nur für Erwachsene? Ganz und gar nicht. Rund 60 Zehntklässler des Elly-Heuss- und des Augustinus-Gymnasiums stellen sich der Herausforderung und übernehmen beim Planspiel Politik die Aufgaben von Bundestagsabgeordneten.

"Ihr seid nun Abgeordnete des Deutschen Bundestages und repräsentiert somit das deutsche Volk", heißt es in der Geschäftsordnung für das Planspiel Politik. Als Parlamentarier müssen die Schüler bei der nachgestellten Bundestagssitzung am Dienstag im Neuen Rathaus gewisse Verhaltensregeln beachten. Sprechen darf nur der, dem der Bundestagspräsident das Wort erteilt hat. Außerdem beginnt jeder Redner mit einer angemessenen Ansprache: "Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin, sehr geehrte Minister, meine sehr geehrten Damen und Herren ..."

Austritt aus der EU


Die Schüler werden zu Beginn des Planspiels in verschiedene Fraktionen eingeteilt. Innen-, Finanz, Umwelt- und Arbeitsminister sowie die Bundeskanzlerin dürfen dabei nicht fehlen. Jede Fraktion arbeitet zunächst einen Vorschlag zur Gesetzesänderung aus, den das Plenum im Anschluss diskutiert. Vom Kunststoffverpackungsvermeidungsgesetz über die Änderung des Sprengstoffgesetzes und eine neue Einwanderungsregelung bis hin zum Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union ist alles dabei. "Die Bundesrepublik Deutschland tritt mit Wirkung zum 01.01.2018 aus der Europäischen Union aus", heißt es im Änderungsantrags der Union Deutscher Sozialisten.


Ausgiebige Diskussionen am Rednerpult folgen, bevor die Abgeordneten demokratisch durch Handzeichen über die Gesetzesänderung abstimmen. Ganz unter dem Leitsatz "im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen", wie die Präambel des Grundgesetzes festlegt. Aussagen wie "Ich bin für die pauschale Ablehnung des Gesetzes" oder "Nach Anhörung dieser Vorschläge bin ich immer noch der Meinung, dass das Gesetz abgelehnt werden sollte" sind dabei keine Seltenheit.


Die Leitung und Ausrichtung des Planspiels übernimmt wie bereits in den Jahren zuvor der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Zusammenarbeit mit der katholischen Jugendstelle Weiden.

Interesse für Politik wecken


"Wir wollen, dass bei den Jugendlichen das Interesse für politische Zusammenhänge geweckt wird. Sie sollen verstehen, wie in einer Demokratie durch ein gewähltes Parlament Entscheidungen zustande kommen", erklärt Linda Lichtenberg, Arbeitskreisvorsitzende des BDKJ. Genau das kommt bei den Schülern an. "Innenminister" Dennis Fürst vom Augustinus-Gymnasium empfindet das Planspiel als eine sehr gute Erfahrung. "Die Situation ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber es macht total Spaß", erklärt er. Die Schülerinnen Stefanie Fried und Cornelia Pröls zeigen sich ebenso begeistert. Sie sind sich einig: "Man kann sich gut in die Rollen hineinversetzen und die Theorie aus der Schule auch einmal in die Tat umsetzen."

Auch die Lehrer Felix Wabra vom Augustinus-Gymnasium und Stephan Gilch vom Elly-Heuss-Gymnasium verfolgen das Planspiel und unterstützten ihre Schüler bei diversen Diskussionsrunden.
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