Messer und Crystal in der Hosentasche
Viel Drogen für wenig Geld: 31-Jähriger aus dem Landkreis steht deshalb vor Gericht und beschwert sich über Polizei

Eine "dunkel gekleidete männliche Person zu Fuß" bemerkten Polizisten am 11. September gegen 21 Uhr auf dem unbeleuchteten Radweg bei Egerteich nahe der tschechischen Grenze. Kurz darauf stellten sie den jungen, mit einem Kapuzenpullover bekleideten Mann. Ein Päckchen mit Drogen, das er weggeworfen hatte, fanden die Beamten schnell in der Nähe. In seiner Hosentasche hatte er ein Wurfmesser dabei. Das brachte dem 31-Jährigen aus dem östlichen Landkreis Neustadt/WN eine Anklage von Staatsanwaltschafts-Gruppenleiter Christian Härtl wegen "bewaffneter Rauschgifteinfuhr" ein.

Gut neun Gramm Crystal und 6,4 Gramm Marihuana hatte er dabei gehabt. Am Mittwoch stand der einschlägig Vorbestrafte vor der 1. großen Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Walter Leupold. Nachdem er den Beamten zuerst eine Lügengeschichte, er sei von seiner Freundin nach einem Streit aus dem Auto geworfen worden, aufgetischt hatte, rückte er schnell mit der Wahrheit heraus.

Messer für Nagelschmutz


Die Drogen habe er von einem Vietnamesen in Eger für 140 Euro gekauft und sich dann, mangels weiterer Finanzen, zu Fuß auf den Weg nach Deutschland gemacht. Hier habe er sein Stamm-Taxiunternehmen kontaktiert, das ihn hätte abholen sollen. Zu der Aussage, er habe das Messer "zur Selbstverteidigung" dabei gehabt, sei er von einem Polizisten genötigt worden, brachte der Ledige vor Gericht vor. Ursprünglich habe er immer gesagt: "zum Fingernägel-Ausputzen". Auch, dass er mehrfach während seines Verhörs angeschrien worden und dass ein Arzt erst spät zugezogen worden sei, beklagte der Drogenabhängige. Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Helmut von Kietzell (Regensburg), ging diesbezüglich die Beamten teils hart an. Die an der Festnahme und der späteren Vernehmung beteiligten Polizisten bestritten jegliche Unkorrektheit. Auf eine Anklage wegen Handels mit Drogen verzichtete Staatsanwalt Härtl trotz mehrerer Indizien in diese Richtung.

Leupold bemerkte, dass der sehr günstige Preis von 140 Euro für neun Gramm Crystal darauf hinweisen könnte, dass man regelmäßiger Kunde sei. Auch hatte ein Nachbar von regem Aus- und Eingehen "verdächtiger Personen" - vermutlicher Rauschgiftkonsumenten - im Haus des Angeklagten berichtet. Und: Bei der Wohnungsdurchsuchung war unter anderen Drogen-Utensilien auch eine Feinwaage gefunden worden. Diese, erklärte der 31-Jährige, gehöre seiner drogenabhängigen Freundin.

Haarprobe ist eindeutig


Dr. Bernd Schwarze, forensischer Toxikologe der Uni Erlangen-Nürnberg, berichtete, dass eine Haarprobe des Angeklagten auf "sehr intensiven Konsum von Methamphetamin" hinweise. Landgerichtsarzt Dr. Bruno Rieder bescheinigte eine schwere Abhängigkeit. Die Verhandlung wird am 3. März um 14 Uhr fortgesetzt.
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