Missbrauch von Facebook-Fotos auf Porno-Websites
Schock für Oberpfälzer Frauen

Böses Erwachen für mehrere Frauen in der nördlichen Oberpfalz: Ein bislang unbekannter Täter hat Fotos aus ihren Facebook-Profilen gestohlen und auf eine Porno-Seite hochgeladen. (Foto: Fotolia)
 
"Wir ermitteln bereits in einem konkreten Fall, ich gehe aber davon aus, dass es noch mehr werden." Zitat: Bernhard Gleißner, Leiter der Polizei-Inspektion Kemnath
 
"Grundsätzlich besteht ... die Möglichkeit, über den Betreiber der Seite die vom Täter verwendete IP-Adresse zu ermitteln, die dann weitere Ermittlungsansätze bieten kann." Zitat: Matthias Huber, "Zentralstelle Cybercrime Bayern"

Er nennt sich selbst "Magazinschlampe". Als eigenes Profilbild auf dem Porno-Portal missbraucht er ein Foto von Topmodel Heidi Klum. Für seine Bildergalerien missbraucht er Fotos von ahnungslosen Frauen aus der Region.

Weiden/Amberg. (hek/üd) Im Profil bezeichnet er sich als "männlich", "geboren am 1. Januar 1919" und als "junger Sklave, der sich von einer Online-Herrin erziehen lässt". So viel zur dubiosen Selbstdarstellung des Täters, der mehrere Oberpfälzerinnen im Internet gedemütigt hat. Im Schutz der vermeintlichen Anonymität hat er mehr oder weniger frei zugängliche Fotos seiner Opfer gesammelt, offenbar aus deren Facebook-Profilen.

Die Fotos an sich sind kreuzbrav und nicht anzüglich: Sie zeigen junge (bekleidete) Frauen, teils mit ihren Pferden und Hunden oder posierend vor dem Spiegel in klassischer Selfie-Manier. Mit diesen Bildern hat er auf mindestens einer pornografischen Website Galerien angelegt, die allein durch ihre Beschriftungen ihren Zweck offenbaren: Sie sollen Männern als erotische "Inspiration" dienen.

Laut seiner Profilstatistik hat der unbekannte Täter in den vergangenen acht Monaten 69 Galerien mit 1226 Fotos erstellt, darunter knapp 200 Bilder von Frauen aus der Region. Eindeutig sind die Kommentare der anderen Nutzer des Porno-Portals: bestenfalls hämisch, anzüglich und nicht jugendfrei, schlimmstenfalls brutal, menschenverachtend - und strafrechtlich relevant. In einem konkreten Fall, der der Redaktion vorliegt, fragt einer der User bei "Magazinschlampe" an, ob er eine der Frauen persönlich kenne - er "würde sie gerne mal irgendwo abgreifen mit ein paar Jungs ... und sie derbe vergewaltigen".

Überwiegend Frauen aus dem Landkreis Tirschenreuth betroffen


Betroffen sind mindestens 30 Frauen aus der nördlichen Oberpfalz, überwiegend aus dem Landkreis Tirschenreuth. Bereits vor zwei Monaten erstatteten offenbar die ersten Opfer Anzeige bei der Polizei in Waldsassen, aber auch in Nürnberg und Hof. Nachdem der Täter kürzlich noch einmal Fotos hochlud, gingen in den vergangenen Tagen weitere Frauen zur Polizei - unter anderem zur Polizei-Inspektion Kemnath (Kreis Tirschenreuth). Am Dienstag konnte deren Leiter Bernhard Gleißner auf Nachfrage der Redaktion lediglich eine einzelne Anzeige bestätigen: "Wir ermitteln bereits in einem konkreten Fall", so der Polizeihauptkommissar, "ich gehe aber davon aus, dass es noch mehr werden." Und er sollte Recht behalten: Bis zum Donnerstag waren fünf neue Anzeigen dazugekommen.

Der aktuelle Fall erinnert an den eines Strumpfhosen-Fetischisten, der Anfang Dezember 2015 für Schlagzeilen sorgte: Auch er hatte Fotos von jungen Frauen ohne deren Wissen auf Schmuddel-Websites hochgeladen, die Gesichter teilweise in echte Porno-Bilder hineinmontiert und sie mit anzüglichen Kommentaren versehen. Die Polizei ermittelte die Identität des Täters, ein 37-Jähriger aus dem Kreis Tirschenreuth. Vor dem Amtsgericht Weiden wurde er im Juni zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen verurteilt - das entspricht etwa drei Monatslöhnen. Gegen "Magazinschlampe" stehen die Ermittlungen hingegen erst am Anfang.

Verfahren eingestellt


Eines der Opfer, die 23-jährige Jenny*, ist vor wenigen Wochen aus der Oberpfalz nach Mittelfranken umgezogen. "Wie kommt der an meine Fotos?", fragt sie sich im Gespräch mit der Redaktion. Ein Foto stamme aus ihrem Facebook-Profil, bestätigt sie, "aber woher hat er die anderen Fotos?" Auch sie hat bei der Polizei Anzeige erstattet, am Ende allerdings ohne Erfolg. "Die haben das Verfahren eingestellt, weil sich kein Täter ermitteln lässt und weitere Ermittlungen wenig erfolgversprechend und unverhältnismäßig seien", zitiert sie aus dem Schreiben der Staatsanwaltschaft. Besonders fatal: Erst kürzlich habe der unbekannte Täter wieder mehrere Fotos von ihr auf eine Porno-Website hochgeladen.

Auch Vanessa* aus Erbendorf, ein weiteres Opfer, wandte sich an die Polizei. Der diensthabende Beamte, so berichtet sie, habe ihr geraten, sich selbst bei dem Porno-Portal anzumelden und beim Täter das Löschen ihrer Fotos zu verlangen. Sie befolgte den Rat. Kurz darauf schloss der Unbekannte den Account - allerdings ohne die Fotos zu löschen.

Gemeinsamer Internet-"Freund"?


Zum Teil sind die Oberpfälzer Geschädigten untereinander direkt in Kontakt, denn sie verfolgen mittlerweile eine eigene Spur: Einige der verwendeten Fotos waren bei Facebook ausschließlich für Freunde zu sehen, nicht für alle Nutzer des sozialen Netzwerks. Nun steht für die Frauen die Frage im Raum: Welcher gemeinsame Internet-"Freund" könnte dahinter stecken?

Vermutungen der Betroffenen sind eine Sache, konkrete Ermittlungen die andere. Und die gestalten sich für die Polizei nicht immer leicht - vor allem dann, wenn der Betreiber der Porno-Seite im Ausland sitzt. Dennoch gibt es erste Anhaltspunkte, die in solchen Fällen geprüft werden: "Wir fragen das Opfer zum Beispiel nach möglichen vorangegangenen Streits, nach einer Trennung oder sonstigen Gründen", erläutert Stefan Hartl, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz. Manchmal ist eben simple Rache die Motivation der Täter.

Geringe Erfolgsaussichten


Ein anderer Ansatz geht über die Technik: "Grundsätzlich besteht die Möglichkeit, über den Betreiber der Website die vom Täter verwendete IP-Adresse zu ermitteln, die dann weitere Ermittlungsansätze bieten kann", sagt Oberstaatsanwalt Matthias Huber. Er ist Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg - hier ist die 2015 gegründete "Zentralstelle Cybercrime Bayern" angegliedert, die speziell für Internetkriminalität zuständig ist. Sofern sich der Betreiber der Website im Ausland befinde, könnten Ermittlungen im Wege der Rechtshilfe erfolgen, so Huber.

"Die Erfolgsaussichten in solchen Fällen sind aber gering, da bislang keine Verbindungsdatenspeicherung über längere Fristen erfolgt." Zur Aufklärungsquote solcher Fälle könne er keine Angaben machen, denn die Verfahren würden statistisch nicht gesondert erfasst. Bei der "Zentralstelle Cybercrime" sei bislang jedenfalls noch kein entsprechendes Verfahren anhängig.

* Name von der Redaktion geändert

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Verein hilft Opfern"Das Ausmaß von Daten- und Persönlichkeitsverletzungen im Internet ist weiten Teilen der Bevölkerung oft nicht bewusst und geht ganz erheblich über die prominenten Fälle hinaus", sagt der Datenschutzexperte Norbert Weinhold (51). Sein Verein "Wake Up Internet" bietet Opfern kostenlose Hilfe an. "Durch uns wurde eine Vielzahl der Täter überführt", berichtet Weinhold. Betroffene sollten in jedem Fall Strafanzeige erstatten, "und zwar sofort", rät er. Je länger man warte, desto geringer werde die Wahrscheinlichkeit, dass man die Täter erwische: "User-Daten werden nur begrenzt gespeichert."

Für das Löschen der anrüchigen Fotos solle man einen Rechtsanwalt beauftragen, so der Experte. "Keinesfalls sollte man sich selber mit dem Täter in Verbindung setzen." Zur Vorbeugung hat er einen einfachen Tipp: "Man sollte seine Fotos so gestalten, dass sie für potenzielle Täter unattraktiv werden." So sollten Online-Fotos prinzipiell nur in einer geringen Auflösung und zudem schwarz-weiß eingestellt werden. Generell rät er zu mehr Vorsicht beim Umgang mit Facebook & Co.: "Personen, die man nicht persönlich oder nur flüchtig kennt, haben in der Freundschaftsliste nichts zu suchen." (hek)

Kontakt zum Verein: Telefon 02156/109321, E-Mail info@ wakeupinternet.com.

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