Missbrauch von Fotos auf Porno-Websites
Experten-Ratschläge für Betroffene

Ein Unbekannter hat rund 30 Frauen aus der nördlichen Oberpfalz im Internet gedemütigt: Er stellte ihre harmlosen Fotos auf Porno-Websites zur Schau. Ein Experte gibt nun Tipps, was Betroffene tun können.

Unter der Überschrift "Unschuldig im Porno-Sumpf" haben wir in der Freitagsausgabe über den Fall "Magazinschlampe" berichtet: Unter diesem Pseudonym hat ein Unbekannter hunderte Fotos aus Facebook-Profilen junger Frauen in mindestens ein Schmuddel-Portal hochgeladen und aus ihnen Bildergalerien mit sexistischen Kommentaren erstellt. Nachdem Anzeigen mehrerer Frauen eingegangen sind, ermittelt nun unter anderem die Polizei in Kemnath (Kreis Tirschenreuth). Die Redaktion erreichten dazu Leserfragen, die Norbert Weinhold vom Opferschutzverein "Wake Up Internet" beantwortet:

Wie kann ich herausfinden, ob auch meine Fotos auf Porno-Websites missbraucht wurden?

Der Datenschutz-Experte rät, dazu die Bildersuche der Suchmaschine Google (Hier gibt es eine Anleitung dazu) zu verwenden: Hier kann man eigene Fotos hochladen oder Links zu eigenen Fotos (etwa auf Facebook) eintragen und eine Suche starten. Findet man Treffer auf dubiosen Websites, sollte man sofort reagieren. Weinhold schränkt ein: "Google und andere Suchmaschinen klammern meistens Pornoseiten aus, so dass man weniger Treffer erhält", sagt er. "Wurden die Fotos allerdings in Foren oder Blogs missbraucht, wird man schnell fündig." Die Onetz-Redaktion empfiehlt zudem die kanadische Bilder-Suchmaschine Tin-Eye

Wie gehe ich vor, wenn ich fündig geworden bin?

Weinhold wiederholt seinen Rat: "Anzeige erstatten - und zwar sofort." Allerdings weist er auch auf ein mögliches Problem hin: "Wenn Sie als Frau zur Polizei gehen, kommt es immer darauf an, an wen Sie geraten." Nicht immer seien die gut gemeinten Ratschläge der Beamten hilfreich und zielführend. Manchmal sei das eher "gefährliches Halbwissen", so der IT-Fachmann. Im Fall von "Magazinschlampe" hätten die Aktionen eines Opfers sogar eher geschadet: "Die Polizei riet ihr, über die Porno-Website Kontakt zum Täter aufzunehmen, der daraufhin sein Profil löschte - dabei liefen längst Ermittlungen gegen ihn." Nun sei es schwieriger, ihn zu überführen.

Im Zweifel stehe sein Verein kostenlos mit Rat zur Seite: Seit 2012 habe er knapp 3000 Fälle übernommen, von denen in 88 Prozent der Täter überführt worden sei - "in einem Fall hatte ein einzelner Täter 42 000 Frauen geschadet".

Was kann ich präventiv machen?

"Die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook ganz genau unter die Lupe nehmen", mahnt Weinhold. "Freundeslisten, Interessenangaben, Fotos, Wohnort - das alles gehört nicht in die Öffentlichkeit." Lediglich Profil- und Titelbild sind zwangsweise für alle Facebook-Nutzer zu sehen. Dafür empfiehlt er Motive, die für potenzielle Täter uninteressant sind: "Landschaftsaufnahmen oder Tierbilder." Weinhold kritisiert, dass noch immer zu viele Nutzer ahnungslos in sozialen Netzwerken unterwegs sind. "Das sind Basics, die leider nirgends gelehrt werden - an keiner Schule, an keiner Universität."
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